Luc und Francois Schuiten

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Luc und Francois Schuiten

#1 Beitragvon Guest » 17. Juni 2004, 17:40

Das Prinzip Konstruktion –
Die urbanen Gegenwelten von François Schuiten


Die Gestalt des Großen Saales mit den in imaginären Stadtlandschaften aus Licht stammt in diesem Jahr von François Schuiten, dem "Städteplaner" unter den Comic-Künstlern. Benoît Peeters stellte ihm die Bilder dafür zusammen.
Die Show auf Riesenleinwänden, die erstmals in Erlangen gezeigt wird, führt tief ins Universum von Schuiten/Peeters' "geheimnisvollen Städten". Die Wände klingen zur Musik des französischen Komponisten Bruno Letort, die eigens dafür komponiert wurde. Alaxis, Urbicande und Brüsel erwachen zum Leben.
In einer Kurzgeschichte des unzertrennlichen Teams François Schuiten/Benoît Peeters, macht ein Mann in Paris eine merkwürdige Entdeckung: Unter der Stadt wuchern unbegreifliche farbige Röhren. Der Mann wird wegen Spionage gefangen genommen, verurteilt und exekutiert. Da brechen die Röhren im Zentrum der Stadt aus dem Boden und formieren sich zum Centre Pompidou. Ein Höhepunkt der modernen Architektur, so könnte uns das sagen, kommt aus dem Untergrund - und er fordert Opfer. Mit dem Aspekt des Opfers könnte vor allem Schuiten Kritik an der Architektur der Moderne geübt haben. Denn die Gebäude, von denen er erzählt, haben ihre Formen alle von den folgenreichen Thesen aus dem Bauhaus erhalten. Dennoch wird François Schuiten hinterrücks wieder von den Prämissen der Moderne eingeholt. Diese folgte stets dem Prinzip Konstruktion. Und genau diesem Prinzip folgen auch Schuiten und Peeters bei der Konstruktion ihrer stadtarchitektonischen Gegenwelten. Die eher zufälligen Anfänge ihrer Weltschöpfung mit "Die Mauern von Samaris" (1983) und "Das Fieber des Stadtplaners" (1984) wurden spätestens mit dem Band "Der Archivar" (1987) zusammengebunden und von da aus konstruktiv weiterentwickelt und ausgebaut. Zehn Jahre später entstand mit dem "Führer durch die geheimnisvollen Städte" eine Art Baedeker zu den Städten und Stätten aus der Phantasie der beiden Künstler. Diese Phantasie aber ist nicht nur planerisch, sondern zutiefst rational genutzt worden - während auf der Handlungsebene der Stadterzählungen am Ende meist das Irrationale triumphiert, manchmal destruktiv, meist aber sogar befreiend.

François Schuiten - Jahrgang 1956, Holländer in der Wahlheimat Belgien, Spross einer Architektenfamilie, der sich diesem Beruf jedoch verweigert und seit 1977 kontinuierlich Comics zeichnet, zuerst nach Szenarien von Claude Renard und seinem Bruder Luc Schuiten, inzwischen längst Multimediakünstler und selbst Stadtgestalter etwa durch die Planung von U-Bahnhöfen - und Benoît Peeters - Jahrgang 1956, Klassenkamerad von François Schuiten, Autor von Essays, Romanen, Hörspielen, Sachbüchern und Comic-Szenarien - gelten als die beiden Comic-Künstler, die sich mit dem Thema Stadt auseinandergesetzt haben wie keine anderen. Auf einer symbolischen Ebene haben sie dabei meist den Terror der Architektur beschrieben, die Unterwerfung und Unterdrückung des Menschen durch Fassaden, die nur Kulissen sind ("Die Mauern von Samaris"), deren undurchschaubares System naturhaft verwurzelt zu sein scheint ("Der Turm") oder die von ökonomischen Interessen in ein Krebsgeschwür verwandelt wird ("Brüsel"). Die Frage ist allerdings, ob sich die Alben und Bücher von Schuiten und Peeters, mit Ausnahme von "Brüsel", zum Anlass von Diskussionen über aktuelle Probleme von Architektur und Stadtentwicklung nehmen ließen, oder ob sie nicht vielmehr Fluchträume in ein doch wieder postmodern beliebiges Zitatenspiel öffnen.
Mit dem Prinzip Konstruktion haben Schuiten und Peeters längst auch die Handlungsträger ihrer Erzählungen vernetzt und verbunden. In jedem neuen Album, das erscheint, können sie inzwischen auf eine Familie zurückgreifen, deren Mitglieder an formal zwar präzis umrissenen, semantisch aber nur skizzierten Schauplätzen leben. Sie schaffen ein artifizielles Universum in der Nussschale des Baukastensystems. Es macht durchaus Spaß, sich darin zu bewegen. Aber es driftet mit zunehmender Geschwindigkeit ab von den urbanen Problemen der Gegenwart. Dabei könnte man mit der Methode von Schuiten und Peeters genau diese Probleme - etwa die sozial und versorgungstechnisch nicht eingebundenen Metastasen der Favelas am Rand der Megacitys - ansprechen. Die urbane Selbstinszenierung durch eine zweite Architekturschicht von Reklame ist in "Die Mauern von Samaris" immerhin angedeutet. Das immense Kunstpotential von Schuiten und Peeters enthält mehr Diskussionsstoff zur aktuellen Lage der Städte, als die selbstgenügsame Verspieltheit der beiden Künstler vermuten lässt. Vielleicht kann man es für Stadt und Zukunft nicht nur in Gegenwelten nutzen. (HH)

Quelle : http://www.comic-salon.de/2002/pages/ausstellungen02/schuiten.htm

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Re: Luc und Francois Schuiten

#2 Beitragvon Guest » 17. Juni 2004, 17:41

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Re: Luc und Francois Schuiten

#3 Beitragvon Guest » 17. Juni 2004, 17:43

François Schuiten

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Man merkt den Arbeiten François Schuitens unschwer an, daß ihr Schöpfer einer Architektenfamilie entstammt und daß das Entdecken von Lebensräumen zu den Grundzügen seiner Erziehung gehört hat. Geboren am 26. April 1956 in Brüssel, veröffentlichte Schuiten mit 16 Jahren seine erste Kurzgeschichte im Comicmagazin Pilote. Nach der Schule besuchte er die Kunstakkademie Saint-Luc, deren Comicabteilung, das "Atelier R", von Claude Renard geleitet wurde. Renard war auch Autor einiger Comics von François Schuiten, die um 1980 in Métal Hurlant erschienen; anderes stammte von Schuitens Bruder Luc.

Während diese Comics eine luftige, von pflanzlicher Ornamentik bestimmte Atmosphäre aufwiesen, neigten die frühen Folgen des Zyklus "Die geheimnisvollen Städte" zu einer bedrohlichen Schwere. Die ersten der von Schuitens Schulfreund Benoît Peeters mitverfassten Episoden verzichteten auf Farbe und waren geprägt von den Forderungen einer menschenverachtenden Architektur.

Später bauten die Autoren um die bereits vorhandenen Alben eine imaginäre Welt auf. Sie wurde durch thematisch ähnliche Comics unterstrichen, denen teilweise recht originelle Ideen zugrunde lagen. Insgesamt läuft das Projekt, das auch in dem Text-Bildband "Führer durch die geheimnisvollen Städte" ausgeführt wird, aber Gefahr, zu verwässern.

François Schuiten, der in seinen Comics wieder zur Farbe und damit zu einem Stil zurückgekehrt ist, der an seine künstlerischen Anfänge anknüpft, ist heute weit mehr als nur ein Zeichner und Autor von Comics. Mit seinen faszinierenden Architekturräumen hat er sich auch als Designer einen Namen gemacht, zum Beispiel als Bühnenbildner in dem Film "Taxandria" (von Raoul Servais) oder als Ausgestalter eines futuristischen Themenpavillons auf der Expo 2000 in Hannover.


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Quelle : http://www.comic.de/angouleme2002/ang_schuiten.html
Zuletzt geändert von Guest am 17. Juni 2004, 17:44, insgesamt 1-mal geändert.


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