Die Chaos-Tage am 2/3. Juli 1983 in Hannover

Fröhliches Feiern
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Knox
Beiträge: 63935
Alter: 62
Registriert: 20. April 2003, 22:26
Wohnort: Bierdosenland

Die Chaos-Tage am 2/3. Juli 1983 in Hannover

#1 Beitragvon Knox » 18. August 2004, 03:52

Bild

Die Chaos-Tage am 2/3. Juli 1983 in Hannover, an dem ca. 1200 Punks und bis zu 300 Skins teilgenommen haben, standen unter dem Motto: “Punks und Skins united!” Was als “Versöhnungstreffen” zwischen beiden Gruppierungen gedacht war, endete bereits am ersten Tag in zahlreichen Schlägereien und einer wüsten Strassenschlacht.

Bild

Gruse im BEZIRK 7-Fanzine (2002) über die Chaos-Tage 1983: “Bereits im Vorfeld war abzusehen, dass sich das Motto ‘Skins & Punks united’ leicht als Rohrkrepierer erweisen könnte. Bei dieser Masse an Punks und Skins, die sich in Hannover angesagt hatten, konnte das nicht lange gutgehen. Und so ist es leider auch gekommen. Als am Samstag Nachmittag der Alkoholpegel seinen Höhepunkt erreicht hatte, und die Bullen durch brutale Knüppelaktionen das ihre taten, um die aggressive Stimmung noch so richtig aufzuheizen, ist die Sache total aus dem Ruder gelaufen. Abends war ja noch ein Konzert mit DAILY TERROR, PHALLUS und den ALLIIERTEN in der KORN, bei dem es zu derben Strassenschlachten zwischen Punks und Skins gekommen ist...Jedenfalls steht in der deutschen Punk- und Skinhead-History das ‘United-Treffen’ von 1983 für das Ende der bis dahin überwiegend ‘friedlichen Koexistenz’ zwischen Punks und Skins.”

Bild

2. Juli 1983. Am frühen Samstag Nachmittag in Hannover: Annähernd 1500 Punks und Skins feierten friedlich in der Innenstadt. Wärend überall in der City gesoffen, Kontakte geknüpft, Erinnerungsfotos gemacht und Adressen ausgetauscht wurden...


Bild

...kam es an den Treppen zur Passarelle (ein unterirdisches Einkaufszentrum) zu den ersten schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Provoziert durch einige besoffene Punks, die “vergessen” hatten, im Supermarkt ihren Schnaps zu bezahlen.

Bild

Die Bullen nahmen diesen Vorfall zum Anlass, in die Menge zu stürmen, und wie von Sinnen mit ihren langen Holzknüppel auf alles einzuschlagen, was kurze oder bunte Haare hatte.

Bild

Der Platz an der Passarelle wurde schliesslich mit “polizeilichen Mitteln gesäubert”.

Bild

Hier erwischte es Mario R. aus Düsseldorf. Man beachte die Hand rechts im Bild, die den Uniformierten - und leider auch den kleinen Mario - mit einer fetten Ladung Tränengas beglückte.

Bild

Die Punks und Glatzen wurden von den Bullen zwar “auseinandergetrieben", hatten sich nun aber, taktisch klug, über die ganze Innenstadt und in die Kaufhäuser verteilt. Fast zwei Stunden lang war die Innenstadt von Hannover so etwas wie ein “rechtsfreier” Raum. Hilflos agierende Bullen, die total den Überblick verloren hatten, angesoffene Punks, die ohne zu bezahlen Dutzende Schnapsflaschen an entnervten Kassiererinnen vorbei aus den Supermärkten schleppten...

Bild

Aufgeheizt durch die Unmengen von Alkohol stieg auch das Aggressionspotential unter den Punks und Glatzen.

Bild

Nur richteten sich die Aggressionen nicht gegen die uniformierten Knüppelschwinger, sondern man ging - wie gehabt - aufeinander los. Alte Feindbilder wurden neu belebt.

Bild

An der einen Stelle prügelten sich Skins mit irgendwelchen Polit-Freaks aus der autonomen Szene, die natürlich hinter jeder Glatze die Inkarnation von Adolf Hitler vermuteten,
Bild

wobei auch das Mobilar einiger Strassencafes zum Einsatz kam,

Bild

wärend an anderer Stelle betrunkene Punks...

Bild

...über nicht weniger betrunkene Skinheads hergefallen sind.

Bild

Der Chaos-Tag machte also seinem Namen alle Ehre,- es war das totale Chaos! Sinnlose Prügeleien nach dem Motto: “Ich will auch mal zutreten!” In diesem Falle war es Kollege Ouzo-Mike aus Dortmund, der sich mit einigen Autonomen eine handfeste Auseinandersetzung leistete.

Bild

Die Bullen hatten am späten Abend nach der Strassenschlacht mit den Skins das JZ-Kornstrasse abgeriegelt.

Bild

Am Ende standen zahlreiche Verhaftungen, und bei mir die Erkenntnis, dass der trennende Graben zwischen Punks und Skins in Zukunft noch viel tiefer sein würde.
Bild
Antisemitismus-Vorwürfe gegen Rapper
BMG stoppt Zusammenarbeit
Die Bertelsmann Music Group setzt die Kooperation mit Kollegah und Farid Bang aus. Ein halbherziger Einsatz gegen Antisemitismus.

Zurück zu „Chaostage“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast