Zeitungsberichte über die Chaostage 1982

Fröhliches Feiern
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Alex Alzheimer
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Zeitungsberichte über die Chaostage 1982

#1 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:16

"Schädelspalter" 12/82
"Wer bunt ist, kommt rein"

Am 6.11. konnte man in der HAZ einen rührenden Bericht über das schreckli-che Los der Ostberliner Punks lesen. Fazit: "Im anderen Deutschland ein Punk zu sein, bedeutet nahezu Selbstaufgabe." Doch, was ein 'richtiger Punk' ist, der weiß: Hier geht's ihm kaum besser.

Als die Schmonzette erschien, war es gerade eine gute Woche her, daß Punks unter der Häme des Normalpublikums den U-Bahnsteig Hauptbahnhof reinigen mußten. Veranlasser dieser Lynchjustiz-Variante: die Polizei. Die führte am gleichen Tag auch zwei Hausdurchsuchungen bei 'sog. Punkern' durch: Mit ge-zogenen Waffen und dem einzig erkennbaren Zweck, den Leuten dort den Gin wegzusaufen und blöde Sprüche abzulassen. Doch die bisherige Spitze dieses durch offenbar keinerlei Hemmungen getrübten Treibens unserer Politeska wurde von der NANA aufgedeckt:

In einer von ihr ans Tageslicht gebrachten Verfügung des Polizeipräsidenten Gottfried Walzer vom 28.8. an die ihm unterstellten Dienststellen in Stadt und Landkreis hieß es: "Um einen Überblick über die Punkszene in Hannover zu gewinnen... haben sämtliche Dienststellen... alle Erkenntnisse über sog. Punker unverzüglich der zentralen Nachrichtensammel- und Auswertungsstelle der KFI 7 formlos schriftlich mitzuteilen." KFI 7 ist die Kriminalfachin-spektion, die für Staatsschutzangelegenheiten und politische Delikte zu-ständig ist.

Als die Sache rauskam, war die Aufregung groß. Waldemar Burghard, Chef des Landeskriminalamts, meinte aber, daß durch so eine popelige Handkartei mit angeblich 62 Namen (ein paar Tage vorher waren es nach Auskunft des Staats-schutzchefs Troche noch 100 gewesen) doch der "Rechtsstaat nicht in Gefahr" komme. Die Punks sind da wohl wesentlich gefährlicher - wie die schon aus-sehen! Doch die Formulierungen der Verfügung sind außerordentlich eindeu-tig: es geht um einen Überblick und um alle erreichbaren Informationen.

Walzer versuchte indes zu besänftigen: es würden nur Personen erfaßt, gegen die konkrete Verdachtsmomente vorlägen oder die gefährdet erschienen. Sein Stellvertreter Horn erläuterte mit dankenswerter Offenheit, wer nach dieser Eingrenzung Karteikandidat bleibt: "Wer ein Bunter ist, kommt in die Kar-tei." Womit er schließlich nur aussagt, daß er jeden Punk für einen poten-tiellen Straftäter (und Staatsfeind) hält. Demokrat ist, wer Krawatte trägt. Indirekt bestätigte auch der zur 'Prüfung' herbeigeeilte Landesbe-auftragte für den Datenschutz, Klaus Tebarth, den wesentlich breiteren Cha-rakter der Kartei: Diese sei sinnvoll, um bestimmte Zusammenhänge in der Szene zu erkennen. " Tebarth, früher Abteilungsleiter für Polizei im Innen-ministerium und insoweit sein eigener Kontrolleur, begreift Datenschutz of-fensichtlich als Schutz der Daten vor Vernichtung und den Bürgern. Ein lächerliches Schauspiel, diesen Mann die Kartei für "rechtlich einwandfrei" erklären zu sehen.

Selbst wenn es so wäre - was prominente Juristen wie z.B. Werner Holtfort, SPD-MdL, energisch bezweifeln - so bliebe diese Kartei dennoch eine Saue-rei. Es geht nicht lediglich darum, für die Erfassung ganzer sozialer Grup-pen eine rechtliche 'Absicherung' hinzubiegen, sondern um eine generelle Verhinderung staatlicher Daten-Sammelwut, mit der politische und soziale Oppositionsbewegungen schon im Vorfeld erfaßt und bei Bedarf kriminalisiert werden können. Holtfort: "Wenn das Beispiel Schule macht, dann kann man auch AKW-Gegner, Rocker oder Fußballfans erfassen. Aber wer weiß, viel-leicht tun sie es ja schon - das weiß man ja nie. "
Inzwischen war die Kartei schon Landtagsthema. Die Grünen fordern ihre so-fortige Vernichtung, und acht SPD-Abgeordnete haben eine Anfrage losgelas-sen. Die Punks hingegen machen's eher außerparlamentarisch: Am 18.12. wol-len sie einen "Tag des bunten Widerstands" in Hannover inszenieren. Um 12 Uhr ist Treffpunkt am Kröpcke, ab 21 Uhr spielen Nitwitz und Outlaws im UJZ.
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#2 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:18

"Neue Presse" 8.12.82
Gericht soll notfalls Rechtmäßig-keit klären: 3 junge Leute kämpfen gegen "Punker-Kartei" /[b]

VON INGE STROTHENKE

HANNOVER. Neuer Wirbel um die Punker-Kartei: Drei junge Leute, die befürch-ten, in der umstrittenen Kartei beim Staatsschutz erfaßt worden zu sein, wollen sich wehren. Ihr Rechtsanwalt Friedrich Klawitter fordert in einem Schreiben an Polizeipräsident Gomried Walzer Auskunft über vorhandene Daten seiner Mandanten und verlangt gleichzeitig deren Löschung. Klawmer will die Rechte seiner Klienten und damit grundsätzlich die Rechtmäßigkeit der Pun-ker-Kartei notfalls vor Gericht klären lassen.

Wie berichtet, hatte Walzer im August eine Meldepflicht für alle Dienst-stellen angeordnet. Danach sollten alle Erkenntnisse über sogenannte Punker unverzüglich der zentralen Nachrichten- und Auswertungsstelle der Kriminal-inspektion 7 mitgeteilt werden.

Als dies durch die Presse bekannt wurde, reagierten Juristen und Politiker mit Empörung und scharfer Kritik. Der niedersächsische Datenschutzbeauf-tragte Thomas Thebarth und Innenminister Egbert Möcklinghoff tadelten das voreilige Handeln Walzers. Er hatte den behördlich vorgeschriebenen Weg nicht eingehalten.

Selbst innerhalb der Polizeidirektion war man sich über den Zweck der "Pun-ker-Kartei nicht einig: Während Walzer versicherte, daß beim Staatsschutz lediglich Daten über straffällig gewordene Punker gesammelt werden wollte sein ständiger Vertreter Dr. Thomas Sporn gleichzeitig kriminalsoziologi-sche Rückschlüsse ziehen. Dazu erklärte der Datenschutzbeauftragte: Eine polizeiliche Datei, in der alle Punker mit der Zweckbestimmung registriert werden kriminalsoziologische Rückschlüsse zu ziehen, wäre selbstverständ-lich rechtswidrig. Ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz liege allerdings nicht vor.

Die drei jungen Leute, die sich persönlich von der "Punker-Verfügung der Polizei betroffen fühlen - Angelika F. (25), Manuela H. (21) und Uwe B. (23) tragen ausgeflippte Kleidung und haben bunt gefärbte Haare - wollen sich mit diesem Stand der Dinge nicht zufriedengeben.

Nach ihrer und Klawitters Ansicht gab es für die Polizei Anlaß, sie in der umstrittenen Kartei zu registrieren. Angelika F. zum Beispiel wurde bei ei-ner El Salvador-Demonstration wegen angeblicher Steinwürfe festgenommen, vor Gericht dann jedoch freigesprochen. Sie glaubt, nur durch ihr Äußeres in diesen Verdacht geraten zu sein. Angelika F.: "Der Staatsanwalt hat mich während der Verhandlung darauf aufmerksam gemacht, daß ich aussehe wie ein Punker und deshalb immer irgendwie verdächtig bin."

Rechtsanwalt Klawitter sieht gute Aussichten, daß die eventuell gespeicher-ten Daten seiner Mandanten gelöscht werden. Dagegen erklärte der stellver-tretende Polizeipräsident Dr. Sporn der NP gestern: In der Praxis Ist die Polizei grundsätzlich nicht zu einer Auskunft über gespeicherte Daten verpflichtet.
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#3 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:26

:?
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#4 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:28

"Neue Presse" 17.12.82
Rätselraten um ein Punker-Treffen
Polizei warnte Geschäftsleute in der City

VON KLAUS GEMBOLIS

HANNOVER. Skepsis bei den Geschäftsleuten, verstärkte Sicherheitsvorkehrungen bei der Polizei: Am letzten verkaufsoffenen Sonnabend vor dem Fest wollen sich ver-mutlich Punker aus der gesamten Bundesrepublik in der City treffen.

Über die Anzahl der Teilnehmer und den Ablauf des Treffens gibt es bisher nur Vermutungen, zumal ein Organisator für das Hannover-Treffen bisher nicht ausgemachten werden konnte. Bekannt geworden war das Punker Treffen durch Anzeigen in einer zur linken Szene gehörenden Wochenzeitung. Wort-laut: Chaotentag am 18. Dezember in Hannover.

Vor Gewalttätigkeiten in der City fürchten sich besonders die Geschäftsleu-te. Peek & Cloppenburg läßt am Sonnabend die Eingänge von zusätzlichem Per-sonal überwachen, Handwerker stehen bereit, um im Notfall zerdepperte Schaufenster sofort zu reparieren. Das Café am Kröpcke will, falls die Lage zu stürmisch wird, kurzfristig schließen.

Bereits am Mittwoch hatten Bezirksbeamte des 12. Reviers die Geschäftsleute in der City von der Situation unterrichtet. Stellvertretender Polizeipräsi-dent Dr. Thomas Sporn: Wir gehen nicht davon aus daß es zu irgendwelchen Krawallen kommt, haben aber aus Vorsichtsgründen gewarnt. Wir müssen natür-lich auf der Hut sein, sagt Dr. Karl-Theodor Simon vom hannoverschen Ein-zelhandelsverband. Zahlreiche Geschäftsleute hatten bereits Sicherheitsvor-kehrungen getroffen.

Dr. Simon: Wir hoffen, daß es am verkaufsoffenen Sonnabend keine Umsatzein-bußen gibt, zumal die Ordnungsbehörden sicherlich dafür sorgen werden, daß es zu keinem Chaos kommt.

Punker-Treffpunkt am Sonnabend soll nach Informationen der NP 12 Uhr mit-tags am Kröpcke sein. Vermutliche Teilnehmerzahl: 1000.
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#5 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:30

Möcklinghoff weist Kritik an der Punker-Kartei zurück

HANNOVER. Als unverantwortlich und in der Wortwahl überzogen hat der nie-dersächsische Innenminister Egbert Mocklinghoff die Kritik des FDP-Bundestagsabgeordneten Burkhard Hirsch an der Polizei von Hannover zurück-gewiesen. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion hatte die sogenann-te "Punker-Kartei, in der die hannoversche Polizei Daten über Angehörige dieser Jugendbewegung sammelt, als Fehlleistung bezeichnet und vor einer unnötigen Kriminalisierung von Randgruppen gewarnt (NP berichtete).

Mocklinghoff: Die betreffende Kartei sei überprüft worden, und auch der Da-tenschutzbeauftragte hatte die in die Kartei aufgenommenen Fälle ausnahms-los als rechtlich unbedenklich eingestuft.
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#6 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:33

"BILD Zeitung" 20.12.82
So wüteten die Punks in der Innen-stadt
- 30 Schaufenster splitterten - 10 Polizisten ver-letzt - 100.000 Mark Sachschaden -

Von JOACHIM GRÜBLER

Hannover, 20. Dezember Kröpcke am Samstagvormittag. In kleinen Gruppen kom-men Punks auf den Platz. Sie haben Ihre Haare grell gefärbt, tragen Hahnen-kammfrisuren. An ihrer Kleidung überall Sicherheitsnadeln. Um 12 Uhr sind es schon 500 Mädchen und Jungen, darunter viele "Berufsdemonstranten". Sie trinken Bier und Schnaps, grölen.

Passanten werden von den Jugendlichen angepöbelt, bespuckt. Dann marschie-ren die Punks plötzlich los, die Georgstraße hinunter.

In Höhe Schmiedestraße fliegen die ersten Steine und Flaschen gegen Polizi-sten und Autos. Über Lautsprecher fordert der Einsatzleiter der Polizei die Randalierer auf, die nichtangemeldete Demonstration aufzulösen. Die Ant-wort: Pfiffe und wieder ein Flaschen- und Steinhagel.
Die Polizei geht vor, Schlagstock, Tränengas - die ersten Festnahmen. Aber die meisten Chaoten entkommen. Am Reitwoll reißen sie einen Bauzaun ein. Ein Beamter wird verletzt.

An der Goseriede fliegen Pflastersteine in Schaufenster - 30 Scheiben splittern. Beamte in Zivil erwischen einen Steinwerfer, nehmen ihn fest. Da versuchen seine Kumpane ihn zu befreien. Ein Chaot will einen Polizisten von hinten würgen. Der Beamte dreht sich um, der Angreifer stürzt - in eine kaputte Scheibe. Schwere Schnittverletzungen.

Die Chaoten versammeln sich wieder am Kröpcke. Flaschenwürfe. Fußgänger werden angerempelt, geschlagen. Wenn die Polizei kommt, verschwinden die Randalierer in der Menge.

Erst nach Geschäftsschluß wird es ruhig. Die Bilanz: Zehn Polizisten und ein Demonstrant sind verletzt einige schwer. Fünf Polizeiautos beschädigt, Scheiben kaputt. Schaden: über 100.000 Mark! 27 Demonstranten festgenommen.
Die Polizei: Die Punks kamen aus ganz Deutschland, sogar aus Holland und Belgien.
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#7 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:36

"Hannoversche Allgemeine Zeitung" 20.12.82
Punker wüteten mit Steinen und Flaschen
Zertrümmerte Scheiben und viele Verletzte: Krawalle in der City / Mindestens 60 000 Mark Schaden / 27 Demonstranten festgenommen

Zahlreiche Verletzte, darunter neun Polizeibeamte, und ein Sachschaden von mindestens 60 000 Mark - das ist die vorläufige Bilanz eines Punkertreffens am Sonnabend in der Innenstadt. Die Polizei nahm 27 Demonstranten fest. Ih-nen wird unter anderem Sachbeschädigung, Widerstand, Gefangenenbefreiung und Landfriedensbruch vorgeworfen. Mehrere Stunden lang machte die City den Eindruck, als sei der Belagerungszustand ausgerufen worden.

Das Treffen, zu dem auch zahlreiche Teilnehmer von außerhalb gekommen wa-ren, galt dem Protest gegen die vor einiger Zeit von der Polizei eingerich-tete umstrittene Punkerkartei. Zugleich aber war in Anzeigen, die in linken Szenenblättern veröffentlicht wurden, von "Hannovers Untergang" und "CHAOS-TAG" die Rede.

Weder das Treffen am Kröpcke noch ein danach beabsichtigter Umzug durch die Innenstadt waren bei der Polizei angemeldet worden. Die Beamten hatten ihre Erkenntnisse nur aus Anzeigen und Flugblättern gewonnen und Tage vorher die Geschäftsleute in der City vorgewarnt.

Bei naßkaltem Wetter versammelten sich nach Polizeiangaben mittags rund 600 Demonstranten, davon etwa die Hälfte Punker, meist sehr junge Leute in zer-rissener, farbverschmierter Kleidung und mit buntgefärbten Haaren. In ihren Reihen kreisten reichlich Bierdosen und -flaschen, Schnaps und Wein.

Nach mehr als einer Stunde setzte sich ein Demonstrationsmarsch in Richtung Steintor in Bewegung, den die Polizei jedoch schon am Schillerdenkmal in der Georgstraße für aufgelöst erklärte, weil keine Anmeldung vorlag, kein Versammlungsleiter auszumachen war und Polizeifahrzeuge mit Flaschen, Dosen und Steinen bombardiert wurden.

Unmittelbar nach der über Lautsprecher bekanntgegebenen Auflösung machten Beamte in Uniform und in Zivil Jagd auf Steine- und Flaschenwerfer. Es kam zu ersten Festnahmen. Eine starke Gruppe von Demonstranten rannte übers Steintor, wo sie sich mit Steinen eindeckte. An der Goseriede wurden inner-halb von wenigen Minuten in neun Geschäften und einer Wohnung mehr als ein Dutzend Fensterscheiben zertrümmert. Polizeibeamte konnten mehrere Werfer fassen.

Bei dem Versuch, einen Festgenommenen zu befreien, stürzte ein 23 Jahre al-ter Demonstrant in eine Schaufensterscheibe und zog sich schwere Kopfver-letzungen zu nachdem es zwischen ihm und Polizeibeamten zu einem Handgemen-ge gekommen war.

Danach wurde die Lage auch für die Ordnungskräfte undurchsichtig, weil sich die Demonstration in kleine Gruppen auflöste, von denen einige zum Kröpcke zurückmarschierten. Dort wollte das Blasorchester Langenhagen ein Konzert für die Aktion Weihnachtshilfe geben. Es mußte nach einem Titel abgebrochen werden, nachdem Eier auf die Musiker geworfen worden waren und eine starke Gruppe von Punkern johlend das Orchester bedrängt hatte. Als auch später immer wieder Flaschen und Steine in die Passerelle hinabflogen, besetzten Polizeibeamte die Ballustrade am Kröpcke.

In der Nacht zum Sonntag wurde bei der Hastra eine Schaufensterscheibe zer-trümmert, und die U-Bahn-Station Altenbekener Damm wurde mit Farbe ver-schmiert. Vor dem Polizeirevier in der Herschelstraße wurden vier Reifen an zwei Streifenwagen zerstochen.

Die Polizei berichtete am Sonntag von 20 Straftaten und 27 Festnahmen. In 19 Fällen können Tat und Täter durch Zeugenaussagen einander zugeordnet werden. Mehrfach setzten Beamte Schlagstöcke und Tränengas ein. Neun Poli-zisten wurden verletzt, davon zwei schwerer. Fünf Dienstfahrzeuge wurden durch Stein- und Flaschenwürfe beschädigt. Die Zahl der verletzten Demon-stranten ist unbekannt.

Wie die Polizei weiter mitteilte, sind bei festgenommenen Demonstranten un-ter anderem Motorrad- und Gliederketten, Lederarmbänder mit Metalldornen, ein feststehendes Messer und zahlreiche Pflastersteine sichergestellt woRden. -11
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#8 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:41

"Neue Presse" 20.12.82
Unangemeldete Demonstration gegen umstrittene "Punkerkartei"
250 Randalierer warfen mit Steinen und Bierflaschen

VON R. DRÖSE (FOTOS)
UND K. GEMBOLIS (TEXT)

HANNOVER. Farbenfroh und friedlich hatte es begonnen, blutig und brutal en-dete es: das Punkertreffen am Kröpcke.

Zwischen von Geschäft zu Geschäft hastenden City-Besuchern, die vollbepack-te Einkaufstüten schleppten, tanzten und scherzten buntbemalte Punks rund um den großen Weihnachtsbaum an der Kröpcke-Uhr. Nur ein paar Polizeihunde reagierten durch die Neckereien nervös, und Passanten schimpften, weil sie sich durch die Massen wühlen mußten. Was in den der linken Szene zugeordne-ten Gazetten in Anzeigen als "Chaotentag" angekündigt war, bot am Sonn-abendmittag um 12 Uhr ein solch friedfertiges Bild wie der ständig nickende Weihnachtsmann in einem Kaufhaus-Schaufenster.

Was dann passierte, ist auch nach Erkenntnissen der Polizei vor allem einer etwa 250 Mann starken Randalierertruppe zuzuschreiben. Denn während von den Punks bis zu diesem Zeitpunkt keine Gewalt ausging warfen mit Ketten und Steinen bewaffnete Krawallmacher Bier- und Schnapsflaschen gegen einen Mannschaftsbus der Polizei und auf Passanten. Die Schaufensterscheibe im TUI-Reisebüro am Kröpcke sprang. Die Polizei griff noch nicht ein.

Zur Konfrontation kam es genau um 12.45 Uhr. Punks und Randalierer hatten sich auf der Georgstraße zu einem Demonstrationszug formiert. Als sie trotz Aufforderung der Polizei, die nicht angemeldete Demonstration gegen die "Punker-Kartei" aufzulösen, mit Stein- und Flaschenwürfen beantworteten, gingen die Beamten mit Schlagstöcken und Reizgas ("CS") vor.

Über die Georgstraße flüchteten die Randalierer erst zum Steintor, wo sie Baustellenabsperrungen umwarfen, dann in Richtung Goseriede. Passanten und Polizei wurden von einem Steinhagel bedroht, erschreckte und verängstigte Fußgänger suchten Schutz in Geschäften und Hauseingängen. Rücksichtslos wurden Menschen angerempelt und bespuckt, dicke Pflastersteine in Schaufen-sterscheiben geworfen. "Scheiß-System", "Bullenterror", "Wir wollen Steine sehen", johlte die Menge.

Zum schwersten Zwischenfall kam es vor dem "Otto-Versand" In der Goseriede. Ein Demonstrationsteilnehmer war, nachdem er die Schaufensterscheibe des Geschäftes eingeschlagen hatte, von einem Beamten in Zivil überwältigt wor-den. Im selben Moment sprang ein 23jähriger den Polizisten von hinten an, würgte ihn am Hals. Der von mehreren Demonstranten umringte Ordnungshüter schnellte zur Seite. Dabei fiel der 23jährige in die Scherben der zersplit-terten Scheibe. Blutüberströmt brach er auf dem Pflaster zusammen.

Zuvor waren durch die massiven Steinwürfe bereits zehn Polizeibeamte ver-letzt worden. Um 15 Uhr war der Tumult beendet. Von den ursprünglich 500 Teilnehmern versammelten sich noch 200 am Kröpcke. Vereinzelt kam es zu Zwischenfällen, als Randalierer aus einem Einkaufsmarkt in der Sallstraße (Südstadt) Flaschen mit Schnaps und Wein stahlen, betrunken in der Passe-relle Passanten anpöbelten und vom Kröpcke leere Bierdosen und Flaschen auf die Passerelleebene schleuderten.

Um 19.30 Uhr marschierten 100 zum Jugendzentrum Glocksee. Als sie festge-stellt hatten daß ein ursprünglich angekündigtes Konzert nicht stattfand, verlief sich die Menge.

Trotz der Krawalle ließen sich die Hannoveraner nicht vom Einkaufs- und Weihnachtsmarktbummel abhalten. Die Polizei registrierte überfüllte Park-häuser. 1702 Pkw-Besitzer nutzten das Park + Ride-System, 4900 Personen wurden befördert - 500 mehr als im Vorjahr.

Dr. Karl-Theodor Simon vom Elnzelhandelsverband: "Eventuell Umsatzeinbußen durch das Punkertreffen sind natürlich schwer festzustellen." Er glaube aber kaum, daß sich Im Bereich Aegi bis Karstadt das Treffen negativ ausgewirkt habe.

KOMMENTAR
Erschreckte Bürger erlebten am Wochenende in Hannovers City vorprogrammier-ten Krawall. Als sich die Punker sammelten, hatten viele Angst, viele aber drängten sich auch dazu, um etwas von der angekündigten Sensation mitzuer-leben. Punker gegen Polizei - ein gesellschaftspolitisches Match, dessen Ausgang spannend schien. Hier der Punker - erklärter Bürgerschreck; da die Polizei - erklärter Bürgerschutz, in einem zweifelhaften Rollenspiel.
Eingeschlagene Fensterscheiben, ausgedehnte Auseinandersetzungen zwischen Punkern und Polizei - das störte aber doch den Streß der vorweihnachtlichen Konsumhetze im adventlichen Hannover zu sehr: Solche Gewalt ist vom Bösen.
Ist sie. Niemand kann darüber frohlocken, wenn Demonstrationen von gewalt-tätigen Gruppen begleitet werden. Aber man darf dabei den Anlaß von Prote-sten nicht aus den Augen verlieren.

Den Krawall vom Wochenende hätte es so nicht gegeben wenn die Polizei nicht zuvor eine fatale "Punker-Kartei" angelegt hätte. Was angeblich vorbeugend gegen Gewalttaten wirken sollte war ein Flop, ein Rohrkrepierer. Die Kartei hat Gewalt eher provoziert und produziert als verhindert. Sie sollte jetzt erst recht eingestampft werden.
Rüdiger Knorr
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#9 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:42

Bahnpolizei: "Nur unser Hausrecht wahrgenommen"

Bei ihrem Bemühen, Reisende im Bereich des hannoverschen Hauptbahnhofs vor Belästigungen durch - "randalierende Punks" zu schützen, waren einige Beam-te der Bahnhofspolizei manchmal vielleicht etwas übereifrig: Auch Jugendli-che, die wohl kaum der Punk-Szene zuzurechnen sind, wurden am Betreten des Bahnhofs gehindert - übrigens ohne Angabe von Gründen.

Rolf Elebe, Wachenleiter der Bahnhofspolizei: "Wir haben unser Hausrecht wahrgenommen und den Punks nur das An- und Abreisen. nicht aber den Aufent-halt im Bahnhof erlaubt!"

Auf die Frage, nach welchen Kriterien es seinen Beamten möglich sei, einen Punk von gewöhnlichen anderen Jugendlichen zu unterscheiden, wußte Elebe keine Antwort. Aber: "Nur wegen des Aussehens" sei wohl niemand der Zutritt zum Bahnhof zu verweigern. Seine Beamten könnten freilich Fehler gemacht haben, räumte Elebe ein, dies sei nur allzu menschlich. In einer der näch-sten Dienstbesprechungen werde er zu diesem Thema noch einmal mit seinen Beamten sprechen.
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Re: Zeitungsberichte über die Chaostage 1982

#10 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:44

"Die Tageszeitung" 20.12.82
Polizeifunk: Punker stark alkoho-lisiert/ Untergang Hannovers fand nicht statt

Der Anlaß: Sonderkartei "Punker beim Staatsschutz. Ort: Die weihnachtlich ausstaffierte City der niedersächsischen Metropole. Zeitpunkt: Vom High Noon bis Im Abend des letzten Kaufsamstags vor dem Fest. Akteure: In Spit-zenzeiten wohl ' hunderttausend kaufende Konsumenten zweitausend andersar-tige Aggressionsobjekte und nicht ganz so viele omnipotente Ordnungshüter: Im Kampfanzug, zu Fuß mit Hund und Lederjacke, zu zehnt, im Parka, an jeder Ecke grüne Mannschaftswagen.

"Eingeladen sind Hardcore-, Pseudo-, Mode-, Karnevals-, Pattex- und Disco Punks, auch Hippies mit bunten Strähnen im Haar sind erwünscht. Wär uns auch angenehm, wenn noch reihenweise Anarchos, Skins, Teds, Rocker oder sonst wer Auftauchen - Hauptsache, sie haben was gegen Nazimethoden - denn im Endeffekt kriegen wir den gleichen Bullenknüppel auf die Fresse und wer-den am gleichen Gas verrecken.

Gegen halb eins in der City fiel mir zuerst die Skin-Gang auf. Ein gutes Dutzend Bomberjackenunifomierte, kahlgeschoren und kampfbestiefelt, zogen lärmend den neu gestylten Kaufboulevard entlang. Gefolgt, in wenig dezentem Abstand, von mindestens genauso vielen nicht uniformierten, aber unschwer als Beamte zu identifizierenden jungen Männern. Hinter den beiden Gruppen dann die Masse der "Andersartigen": An die zweitausend, die sich vom City-Treffpunkt Kröpcke im geschlossenen Zug in Richtung Nuttenviertel Steintor in Bewegung setzten. Gefolgt von einem Lautsprecherwagen der Polizei. Weni-ge Minuten nach Beginn des "Aufzugs verkündete eine elektronisch verstärkte Polizistenstimme das Verbot desselben. Von Sachbeschädigungen" ist die Re-de, die Straße sei freizumachen. "Knüppel frei, Bierflaschen und Birnen vom nahen Obststand fliegen gegen das grüne Fahrzeug und die losstürmenden le-derbejackten Knüppelschwinger. Das Volk stiebt auseinander, zwei unschwer als Punx auszumachende werden festgenommen: Schläge, Tritte, Rempeleien - das Feindbild der Beamten läßt deren Aggressionen freien Lauf.

Danach eine gute Stunde Chaos in der Stadt. Kleine Gruppen halten die "Ord-nungskräfte" auf Trab. "Sachbeschädigungen an zehn Objekten", so ein Poli-zeisprecher am Sonntag, einzelne Scheiben gehen zu Bruch. Die beamteten Le-derjacken folgen hechelnd den Spuren der Zerstörung, die Kollegen in Zivil tätigen Festnahmen. Vor dem zerdepperten Schaufenster vom Otto-Versand kommt es zum Handgemenge. Ein junger Hannoveraner wird von einem Polizisten durch die Scheibe gedrückt und aus tiefen Schnittwunden an Kopf und Hals stark blutend übers Trottoir geschleift. Zehn Minuten liegt er auf dem Pflaster, umringt von Zivilen, die sich noch um die Notwendigkeit der Hand-fesselung streiten, während das Blut des Verletzten schon eine Lache bil-det. Ein bißchen unangenehm ist es schon, der weiße Nylonblouson des for-schen Beamten ist verschmiert, endlich kommt der Rettungswagen und trans-portiert die Peinlichkeit ins Krankenhaus. Ein Pressefotograf, der die Si-tuation ablichtet, erhält unvermittelt einen Tritt vor den Bauch. Das Ob-jektiv seiner Kamera, die dort hing, ist zersplittert.

Wenige Meter und Minuten weiter, über Funk kam ein Hinweis auf erneute Sachbeschädigung, wird wiederum im Nachsetzen ein Weglaufender festgenom-men. Ein Punk aus München. "Ich habe nichts gemacht", erklärt er. Die Poli-zei sucht über Megaphon Zeugen. Vergeblich. Ein Einsatzleiter naht, erkennt die prekäre Situation und entscheidet: "Den Mann freilassen". Leicht ver-dattert kratzt der Typ die Kurve. Noch mal Glück gehabt. Mindestens zwanzig andere haben keins. Sie werden im Lauf des Tages "aufgrund des Verdachts strafbarer Handlungen" vorläufig festgenommen.

"Flächendeckendes System klappt", meldet der Polizeifunk um 14 Uhr. Wenige hundert Punx stehen wieder am Kröpcke. Dort macht Jürgen Neumann, stadtbe-kannter Rechter und Organisator des „Pro Kernenergie BI“ Geschäfts mit Erb-sensuppe und Glühwein. Bei der Kälte brauchen auch "Punker" was Warmes im Magen. Die Brüstung des Betonplatzes, von der man in die daruntergelegene Einkaufszeile "Passerelle" schauen kann, soll freigemacht werden. Von dort waren leere Bierflaschen ins Tiefgeschoß geflogen. ,,Qualifizierte Festnah-men" seien zu tätigen, fordert der Polizeifunk. Antwort: "Unmöglich ! Wer-fer nicht konkret ausmachen". Neben mir raunt der Chef vom Greiftrupp sei-nen Leuten zu: "Den da mit Brille und Bart. Den holen wir uns!" Unter Pro-testen der Umstehenden wird der Mann später weggezerrt, Sprühstrahlen der Chemischen Keule machen dem Unmut der Augenzeugen ein Ende.

Die Menge zerstreut sich, sammelt sich wieder, gruppenweise wird unter Auf-sicht der offiziell nur zu Verkehrslenkung überall installierten Videokame-ras bis zum Abend zwischen Kröpcke, Steintor und Hauptbahnhof gependelt. Den letzteren halten blauuniformierte behelmte Bahnpolizisten "punkerfrei". Alle "Bunten" werden nicht oder nur einzeln und kontrolliert eingelassen. Auch die Aufgänge der den Bahnhof unterführenden Passerelle sind bewacht. Vor den Kaufhaustüren. die in die im Szenejargon "Piss-Rille" geheißene Konsumröhre münden, halten Beamte mit Hunden Wache. Aus dem Kaufhof schlägt einem der Geruch von Buttersäure entgegen. Wahrenhausdetektive haben Streß-stunden, wenn Punx einkaufen gehen - bananenschmatzend und bierflaschenlee-rend aus der Lebensmittelabteilung kommen. An der Kasse wird eine Frau ab-gegriffen, die ein Bier eingesteckt hat. Während der einzelne Detektiv sie abführt, bleiben drei Punx kopfschüttelnd zurück. Im Grunde habe sie ja selbst schuld, erfahre ich, Geld zum Bezahlen sei schließlich dagewesen. Schwer zu sagen, wessen Konzept an diesem "Chaos-Tag" aufgegangen ist. Die Polizei, mit zivilen Kräften zahlreich und ungetarnt vertreten, hat den an-gedrohten "Untergang Hannovers" durch massive Präsenz im Keim erstickt. Die hannoversche Geschäftswelt, die teilweise Schläger zum Schutz der Auslagen anheuerte, wird kaum Umsatzeinbußen zu beklagen haben. Die Kapazitäten der Glaser, mit dem Auftragszettel in der Hand den Polizisten auf dem Fuße fol-gend, waren allerdings nicht ausgelastet. Die Punx, viele reisten aus ande-ren Städten an, haben hoffentlich trotzdem ihren Spaß gehabt. Die Wirkung der "Punkerkartei" dürfte durch haufenweise Personalienfeststellungen in-flationiert sein. Was die Bürger im Konsumrausch von dem ganzen Spektakel hielten, ist nicht zu beurteilen. Die wenigen aufgeschnappten Sprüche von neugierigen Gaffen schwankten zwischen, "Unter-Adolfwär-das-nicht-passiert" und "Guck-mal-der-da-mit-den-grünen-Haaren!“
"Tot sein ist schöner als wie ohne Geld"

- HANS-JÜRGEN RÖSNER

Alex Alzheimer
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Re: Zeitungsberichte über die Chaostage 1982

#11 Beitragvon Alex Alzheimer » 14. Juni 2006, 22:45

"Die Tageszeitung" 21.12.82
Presse randalierte maßlos - Punker verwundert

Hannover/(Osnabrück. Anders als die Beteiligten und auch anders als unser Mitarbeiter (vgl. taz vom Montag) nahm die Hannoversche Lokalpresse den bei uns mehrfach angekündigten "Chaostag" wahr. Auf vielfachen Wunsch unserer an Ausgewogenheit interessierten Leserschaft daher hier noch ein paar De-tails vom Punkerterror am Samstag Wir entnehmen diese im Originalzitat der
Hannoverschen Allgemeinen" (HAZ) und der "Neuen Presse" (NP):

In Hannover versammelten sich nach Polizeiangaben mittags rund 600 Demon-stranten. davon etwa die Hälfte Punker, meist sehr junge Leute in zerrisse-ner, farbverschmierter Kleidung und mit buntgefärbten Haaren. In ihren Rei-hen kreisten reichlich Bierdosen und Flaschen, Schnaps und Wein (HAZ). Was in den der linken Szene zugeordneten Gazetten in Anzeigen als
Chaotentag angekündigt war, bot zunächst ein solch friedfertiges Bild, wie der ständig nickende Weihnachtsmann in einem Kaufhausschaufenster (NP).
Während von den Punks bis zu diesem Zeitpunkt keine Gewalt ausging, warfen mit Ketten und Steinen bewaffnete Krawallmacher Bier- und Schnapsflaschen gegen einen Mannschaftsbus der Polizei und auf Passanten (NP). Als Punks und Randalierer trotz Aufforderung der Polizei, die nicht angemeldete De-monstration gegen die Punker-Kartei aufzulösen, mit Stein und Flaschenwür-fen antworteten, gingen die Beamten mit Schlagstöcken und Reizgas (CS) vor. "Scheiß-System-", "Bullenterror" , "Wir wollen Steine sehen , johlte die Menge (NP). Die Bilanz: Neun leicht und ein schwerverletzter Polizist, 60.000 Mark Sachschaden 30 zerstörte Schaufensterscheiben (NP). Bei dem Versuch, einen Festgenommenen zu befreien, stürzte ein 23 Jahre alter De-monstrant in eine Schaufensterscheibe und zog sich schwere Verletzungen zu (HAZ).

Zu Krawallen ist es in der Nacht zu Sonnabend während eines Konzertes der Rockband Dead Kennedys in Osnabrück gekommen. Sechs Polizeifahrzeuge wurden bei der fünfstündigen Auseinandersetzung beschädigt. Nach Angaben der Poli-zei hätten wütende Punker die Straße aufgerissen und Fahrbahnplatten ge-schleudert. Die Beamten konzentrierten sich darauf, die Innenstadt zu si-chern, nachdem Flugblätter verteilt worden waren, auf denen es hieß: "Die Punk-Szene lädt ein, nach dem Konzert ihr heiß geliebtes Einkaufszentrum in Schutt und Asche zu legen - Letzte Möglichkeit, Weihnachtseinkäufe einzuplündern" (HAZ).
"Tot sein ist schöner als wie ohne Geld"

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Re: Zeitungsberichte über die Chaostage 1982

#12 Beitragvon Hanfi » 15. Juni 2006, 01:24

wow cool Bild
haste ja rausgesucht !
ich werds nachher oder moin lesen wenn ich wieder daheim bin !
Schade das Mann Bier nicht ficken kann !!!

Bild SAUFEN SAUFEN SAUFEN Bild
Mehr Löcher = Weniger Käse
Mehr Käse = Mehr Löcher
Weniger = Mehr
Bild


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