Oi!

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EsLebt
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Re: Oi!

#151 Beitragvon EsLebt » 10. August 2007, 02:01

ich pack den text aus dem anderen thread hier noch ma rein, da passt der eher hin Bild
"Oi!
"It' s never too late to break out!"
Oi! ist Musik von der Straße. Oi! ist unsere Musik und so wie wir. Sie ist rauh,
hart wie das Leben, aber ehrlich und kein Machwerk irgendwelcher Charthitfabriken.
Oi! ist Musik von der Straße für Leute von der Straße. Sie ist so real wie das
Leben. In den Texten unserer Heroes geht es um das, was auf der Straße passiert. es
geht um Gewalt, Liebe, Ehrlichkeit, Klassenjustiz, Zusammenhalt, Probleme wie
Arbeitslosigkeit, Polizeirepression, Rassismus, Verarschung durch Politiker und
Parteien. Und Oi! ist neben Ska und Reggae für mich die geilste Musik, die es gibt!
Natürlich gibt es da auch andere Auffassungen, Oi! sei einfach nur geile Partymucke,
Oi! habe nichts mit Politik zu tun. Und Oi! wird immer wieder wie fast alles in
dieser kapitalistischen Gesellschaft vermarktet und da ist es natürlich klar, daß
man mit klaren (nicht nur politischen) Aussagen so manchem potentiellen Käufer auf
die Füße treten würde. An Oi! trennen sich (nicht nur) in der Szene die Geister
ebenso wie an den Themen Politik oder Homosexualität. Es haben sich nebeneinander
verschiedene Ansprüche entwickelt und Ansätze zu verschiedenen Szenen. Das ist keine
Spalterei, sondern Realität. Wo Unterschiede kaschiert werden sollen, werden diese
nach einiger Zeit von alleine aufbrechen und das tun sie z.B. auch in Hinsicht auf
Bands, ihre Musik, Texte und ihr Publikum. Gehe einer zu Konzerten von Attila oder
Stage Bottles oder zu Konzerten von Rabauken oder Verlorene Jungs. Das sind Welten,
allein schon jenseits der klar rassistischen Adolf-Jünger.
Oft genug wird in Interviews und in Texten von Oi! Bands betont, man sei anders, man
sei rebellisch oder man lehne Führer und Parteien ab, brauche niemanden, der einem
etwas vorschreibe, verachte die Autoritäten, etc. Lieder wie "2.000.000 Voices" von
den Angelic Upstarts, "One law for them, one law for us" von den 4-Skins, "Violence
in our minds" und "Rebels with a cause" von Last Resort oder "Oi! against Racism"
von den Street Troopers handeln davon, um nur mal einige zu nennen.
Oi! ist politisch, denn Probleme wie Arbeitslosigkeit, Polizeirepression oder
Rassismus haben ihre Ursache in der Politik der Herrschenden in Politik und
Wirtschaft. Und wenn Oi! solche Themen anspricht bzw. Texte über solche Probleme
handeln, dann ist Oi! auch politisch und das ist auch gut so (denn wer soll diese
Themen denn thematisieren und aus unserer Sicht darstellen außer uns? "Fürsprecher"
oder Experten, die wissen, was gut für uns ist, haben wir schon genug und brauchen
wir eigentlich gar nicht!). Vielleicht nicht parteipolitisch oder einheitlich in
seiner politischen Aussage oder Ausrichtung. Aber immerhin politisch. Und genau das
ist der Unterschied zur Musik in den Charts, zu den zuckersüßen,
teenagerherzenverzückenden Melodien von Take That, East 17, New Kids Under The
Block, Tic Tac Toe, DJ Popo oder wie sie alle heißen oder hießen. Diese "Bands", die
zumeist nur aus schnucklig anzusehenden Vorzeigeboys und -girls bestehen, die auf
der Bühne ihre Show abliefern, in sexy Kostümen rumhüpfen und den Mund zu den vom
Band laufenden Texten bewegen, aber keine Musikinstrumente beherrschen, sind meist
von Produzenten nach Verkaufs- und Marktkriterien zusammengewürfelt und Radiosender
pushen die eine oder andere Band je nach Bezahlung. Da geht es nicht um gute Musik
oder Texte, es geht darum diese Musik wie jedes andere Produkt auch zu vermarkten
und dann zu verkaufen. Und so sind dann auch die Texte dementsprechend. Für die
Teenager gibt es diese Bands, für die Älteren dann welche wie Phil Collins oder Pet
Shop Boys und für unsere Großeltern Heino und Volksmusik. Je nach Zielgruppe
variieren die Interpreten, was bleibt sind die gleichen nichtssagenden Texte. Und
stets drehen sich die Texte um nichts außergewöhnliches, meist auf schnulzige Art
und Weise um Liebe. Nur jeweils auf die zu manipulierende Zielgruppe zugeschnitten.
Und manche Punk oder Oi! Band reiht sich inzwischen auch in diese Reihe ein, weil
sie dem Publikum nichts Sensationelles geschweigedenn überhaupt etwas zu sagen hat.
Die Message reduziert sich meist auf "Saufen, Ficken, Oi!". Warum aber stets neue
Auflagen von Songs mit dieser gleichen "Message" entstehen, ist mir unbegreiflich.
Das ist lediglich Unterhaltungsmusik im rebellischen Outfit, aber sie erfüllt ihren
Zweck. Vorhandene Aggressionen werden im Alkohol ertränkt ("Man kann den
Kapitalismus nicht unter den Tisch trinken. Im Vollrausch gibt es keine Revolution."
1988 im Darmstädter Zine Rat Race.) und der letzte kritische Gedanke geht im "Ficken
Oi!"- Einerlei und im Suff unter.
Kurz gesagt von dem oft erhobenen Anspruch "Rebels with a cause" zu sein, ist oft
nicht viel zu spüren. Dann kommen noch die Umdichtungen hinzu, Oi! sei unpolitisch.
Über solche Märchen wie Oi! wäre das Erkennungszeichen der rechten Bewegung oder Oi!
käme vom nationalsozialistischen Spruch "Kraft durch Freude" (im Englischen
"Strength through joy") müssen wir hier gar nicht erst reden. Solcher geistiger
Dünnsinn hat sich von vornherein selbst disqualifiziert, weil die Vorkämpfer solchen
"Wissens" meist soviel Ahnung von Oi! haben wie ich vom Blumenkranzbinden, denn es
sind meist besserwissende Hippies und Menschen, die vorgeben alles zu wissen und
doch nichts vom Leben wissen.
Auch in Matthias Maders Buch "Oi! The Book Vol. 1" sind dementsprechend Anmerkungen
enthalten. So bezeichnet er z.B. Combat 84 als "eine der kontroversesten Bands des
demokratischen Oi! Spektrums". Das ist für mich recht verwunderlich. Daß Combat 84
eher konservativ und pro-Thatcher waren, ist klar. Aber wie kann eine Band wie Last
Resort, The 4-Skins oder The Blaggers als "demokratisch" bezeichnen. Sie waren alles
andere als systemkonform. Wer die Regeln dieser Gesellschaft nicht nur den Worten
nach ablehnt, sondern auch in Taten gegen sie verstößt, ist bestimmt kein
Systembefürworter. Combat 84 sagten "Wir wollen Politik und Fußball völlig von
unserer Musik trennen!" (Sounds, Februar 1982), sprachen sich aber dennoch für die
Todesstrafe aus und ihr Sänger kam aus einer rechtsgerichteten Londoner Skin-Gang.
Oder Close Shave z.B. deren einer Gitarrist bei ihnen ausstieg und Ende 1994 nur
noch bei der Naziband Razor' s Edge spielte. Oder Another Man' s Poison, in deren
Reihen Charlie Chields Gitarrist war und zuvor in der RAC-Band Grade 1 gespielt
hatte oder ihr Sänger, der sich am St.George Day (britischer Feiertag der Nazis mit
Konzerten, Demo, etc.) Nazibands ansah und Schweizer Hammerskins beherbergte. Man
sprach sich z.B. im Pure Impact klar gegen linke Politik und Redskins aus, bewies
aber wiedereinmal Offenheit gegenüber rechten Tendenzen. Das ist nicht
"unpolitisch", das ist unverhohlen rechtslastig.
Da haben Bands Songs wie "Fighting the system" (Criminal Class) oder es gibt Label
ähnlichen Namens. Geben sich rebellisch und proben doch nur den Aufstand im Rahmen
dessen, was man ihnen als Narrenfreiheit zugesteht. Wie will ich gegen das System
sein, ja es sogar bekämpfen, wenn ich mich auf seine Grundfeste berufe. Rebellion -
nur eine Pose oder Mode? Nach den Vorfällen von Southall spielten Bands wie Blitz,
Infa Riot, The Business oder The Partisans unter dem Motto "Oi! against Racism,
against Political Extremism, but still against the System!". Sham 69 spielte ebenso
wie Infa Riot Konzerte für "Rock against Racism" (RAR). Der Sänger von Infa Riot,
Lee Wilson, sagte im Oktober 1982 im Sounds über Kritiker: "Nur wenige Leute haben
mich wegen der "Rock against Racism"-Sache kritisiert, eine Minderheit. Sie mögen
sich Fans nennen, aber ich möchte mit ihnen nichts zu tun haben. Wo sie ihre Ideen
herbekommen, ist unglaublich. Erst sagen sie 'Yeah, wir sind rechts', dann auf
einmal 'Klar, aber Anarchie'. Wie können sie rechtsradikal sein und die Armee und
Polizei hassen?" Zu Street Politics bekennen sich Bands wie Angelic Upstarts, deren
Sänger Mensi in den 80igern Kontakt und Diskussionen mit der britischen SWP hatte,
seit Jahren AFA unterstützt bzw. bei Red Action mitmachen soll. Heutige Bands wie
Street Troopers oder The Oppressed unterstützen die Idee von SHARP und spielen
Konzerte für AFA (The Oppressed) oder RASH (Street Troopers). In Spanien oder
Italien unterstützen viele Bands Aktionen zur Verbesserung der Lage der
Arbeiterklasse, Aktionen für inhaftierte (politische) Gefangene (z.B. Nabat für
Mumia Abu-Jamal) oder gegen die Staatsmacht. Oi! ist und bleibt unsere Musik und die
ist und bleibt politisch! "
In einer Zeit des Universalbetruges ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat. (George Orwell)


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