Gerontenpunk/Nairobi Five Degree

sagt der Name ja schon
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Knox
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Gerontenpunk/Nairobi Five Degree

#1 Beitragvon Knox » 23. Januar 2018, 12:40

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Gerontenpunk/Nairobi Five Degree
56 DIN-A-5-Seiten: €???

Chriz und Karlo teilen sich den Inhalt und Karlo erwähnt dann auch in seiner Einleitung die Vorzüge solch eines Split-Zines: weniger Zeit bis zur nächsten Ausgabe, die Hälfte an Seiten bedeutet weniger Arbeit und die Hälfte der Kosten, zeugt aber vor allem von einer "emotionalen Verbundenheit".

Im Anschluss serviert Karlo 4 Kurzgeschichten mit autobiographischen Zügen. Eine Waschbärenfamilie hast sich im Dachboden eingenistet und verlangt nach Lösungen oder Arrangements. Die betroffenen Parteien haben verschiedene Ansichten über den weiteren Vorgang. Am Ende verschwinden sie genauso wie die Katholikinnen, die sich vorübergehend eingenistet haben.
In der darauf folgenden Geschichte analysiert Karlo Ernest Hemingways Buch "Paris-ein Fest fürs Leben", das im Kontext der terroristischen Anschläge auf MitarbeiterInnen von Charlie Hebdo in Paris zu "einem Fanal gegen den Terrorakt geworden ist, da ein älter Pariserin dieses Buch als Plädoyer für ein friedliches Miteinander mit Muslimen in der Stadt genannt hatte. Diese Kurzgeschichte ist im Wesentlichen also eine Buchkritik und was es seiner Meinung heute für eine Relevanz hat und welche Werte damit verknüpft sind.
In der nächsten Kurzgeschichte geht es um Robbie Vander, der in der Kneipe "Rudolfs Bierchen" die Klientel beobachtet und sich schmunzelnd über die unbewusste geistige Anpassungsfähigkeit des Menschen und ihre Schattenseiten auslässt.
Abschließend erklärt Karlo den verspäteten Output und ist zudem vom Böllerrausch am Silvesterabend genervt und verängstigt, dass er dadurch den roten Faden verliert.
Chriz bedankt sich in seinem Editorial für die Freundschaft mit Karlo, freut sich wie Bolle, dass das Produkt vor ihm liegt. Des Weiteren kotzt sich Chriz ganz Allgemein über die "Stilisierung von moralischer Überhöhung als Menschen mit allen möglichen *_/I's" im Kontext der "Hass-Scheiße" in der radikalen Linken und das "ritualisierte, identitätsstiftende Gehasse in der Punkszene" aus, dabei in seinen Schlussfolgerungen sehr konservative Ansichten formuliert. Darüber hinaus beobachtet Chriz eine Szenerie, in der ein total besoffener Schlapp-Iro-Punk einem gezogenen leeren Bierkasten auf allen Vieren kriechend folgt, was von umstehenden Asi-Kumpels belustigt kommentiert wird. Gastschreiber Mika Reckinnen braucht am Wochenende keine kotzende Punx (mehr), keine Bierduschen, Saft trinkende Kinder (???) und erfreut sich über heterogene KonzertbesucherInnen, die sich artig und seinen Erwartungen entsprechend benehmen.
Gastschreiber Andi Kuttner analysiert die Sampler-Reihe "Punk- a world history" auf satte 8 Seiten und endet mit der Mutmaßung, dass es keine vollständige "history" geben kann. Ein paar Sticker-Rezis (!!!) später und das Split-Zine endet mit einer leeren Umschlagseite.

Gesamteindruck:

Karlos Geschichten sind witzig-besinnliche Anekdoten, die Storytellling ist einfach und klar verständlich, ohne Metaphern oder Assoziationen. Chriz' eigener schriftlicher Anteil indes ist sehr dürftig, mager und oberflächlich und glänzt nicht mit intensiv ausformulierten Gedanken, sondern durch Randnotizen, die von Mika und Andi engagiert ergänzt werden. Unangenehm fällt auf, dass weder die beiden Umschlagseiten vorne und hinten mit Inhalt gefüllt wurden, und dass von beiden Verantwortlichen die jeweilige Bezugsquelle/Anschrift fehlt.

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