Pyranha-Kommunique#01 in Köln veröffentlicht

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Knox
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Pyranha-Kommunique#01 in Köln veröffentlicht

#1 Beitragvon Knox » 15. April 2010, 11:57

Pünktlich zum Start des Wahlkampfs in NRW soll ein kürzlich in Umlauf gebrachtes Kommuniqué der Kölner Kampagne "pyranha - für ein autonomes zentrum mit tanzfläche" an die gegebenen Versprechen der Kölner Lokalpolitik erinnern, endlich Räumlichkeiten für ein Autonomes Zentrum zur Verfügung zu stellen. Es richtet sich aber auch an alle
Unterstützer_innen der Kampagne Pyranha und an alle Menschen, denen das Autonome Zentrum eine wahre Herzensangelegenheit ist...
K O M M U N I Q U E # 1

11. APRIL 2010

„Autonomes Zentrum – Das ist mir eine Herzensangele
genheit!“ - mit dieser Aussage reagierte der Oberbürgermeister Jürgen Roters auf die Forderung nach einem autonomen, selbstverwalteten Raum für Kunst, Kultur und
Politik in Köln. Während der Wahlkampfperiode
2009 stattete eine Delegation der „Kampagne Pyranha
für ein autonomes Zentrum *mit Tanzfläche“
den Ratsfraktionen der Stadt Köln einen Besuch ab, um
ihrer Forderung nach einem solchen Zentrum
Nachdruck zu verleihen. Rund 200 Kölner Politiker_inn
en wurden zuvor per Brief um Unterstüzung ge-
beten, das Anliegen ins Parlament zu tragen, offizielle
Antworten gab es darauf jedoch kaum. Hingegen
wurden die Bestrebungen, das Anliegen der Kampagne
Pyranha nach einem selbstverwalteten Raum in
die Öffentlichkeit zu tragen, meist mit Polizeigewalt beant
wortet.
Hintergrund des Projektes ist die Schließung der Schna
psfabrik im Dezember 2008, die eben einen
solchen selbstverwalteten Raum in Köln-Kalk bot. Das
leerstehende Fabrikgebäude wurde von mehre-
ren Menschen angemietet. Schnell wurde es mit Leben
gefüllt, so dass es sich zu einem selbständigen
sozialen Projekt entwickelte. So diente die ehemalige
Schnapsfabrik im Zuge der Gegenaktivitäten zum
sog. „Anti-Islamisierungs-Kongress“ als Convergence
Center, von dem aus die erfolgreiche Blockade
dieser rassistischen Pro Köln Veranstaltung unterstützt
und organisiert wurde. Bereits nach neun
Monaten wurde die Schnapsfabrik von der Stadt Köln
aus willkürlichen Gründen geschlossen und der
Abriss der Immobilie vorbereitet.
Die ehemaligen Nutzer_innen der Schnapsfabrik gründ
eten die Kampagne Pyranha um ein geeignetes
Gebäude für autonome Kunst, Kultur und Politik zu erstre
iten. Die Kampagne Pyranha verschaffte sich
bislang auf vielfältige Weise Gehör. So organisierten Aktivi
stinnen und Aktivisten der Kampagne kre-
ative Aktionen im Rahmen eines Autonomen Kulturprogra
mms: Improvisationstheater am Dom, Gau-
menkino am Brüsseler Platz oder Umsonst-Flohmarkt
in der Neumarkt-Gallerie, Autonomes Veedelfest
in Kalk und vieles mehr. Autonom bedeutet in diesem
Sinne: selbst die Initiative zu ergreifen, unab-
hängig von Parteipolitik zu sein, bewußt den kapitalistisc
hen Alltag zu stören und Mißstände kreativ
anzugreifen. In einer Veranstaltungsreihe wurde eine inhalt
liche Auseinandersetzung beschritten, um
Themen wie alltäglichen Rassismus, Sexismus, Antise
mitismus, Homophobie und vieles mehr kritisch
zu behandeln, um für Verantwortung und einen bewussten
Umgang miteinander zu sensibilisieren. Die
Idee eines autonomen Zentrums wurde auch bereits prakti
sch im Rahmen einer Wochenendbesetzung
erfolgreich ausprobiert.
Offensichtlich wird es nicht gern gesehen, wenn sich Mens
chen politisch engagieren und sich auf die
Suche nach Alternativen jenseits von kapitalistischer Verwe
rtungslogik und autoritären Strukturen
machen, denn häufig wurden die Aktionen durch polize
iliche Gewalt beendet. Auf das Verschenken von
gebrauchten Waren aller Art in der Neumarkt Galerie reagie
rte die Polizei, indem sie 50 Besucher_innen
des Flohmarktes mehrere Stunden lang in einem Kesse
l festhielt. Personalien wurden festgestellt, es
folgten Anzeigen.
Solche Zustände sind in Köln keine Seltenheit. Währe
nd der Gegenproteste zum sogenannten “Anti-
Islamisierungs-Kongress“ der selbsternannten „Bürgerbew
egung Pro Köln“ wurden 400 Demonst-
rant_innen, darunter viele Jugendliche, mehrere Stund
en lang eingekesselt und danach in Käfigen
der Gefangenensammelstelle für mehr als 17 Stunden
eingesperrt. Mensch ist geneigt, eine Strategie
dahinter zu erkennen: Abschreckung und Einschüchte
rung. Dabei ist interessant zu beobachten, wie
sich die Kölner Schunkelgarde um Fritz Schramma und
andere Vertreter_innen der Politik Bratwurst
lutschend weit entfernt vom Geschehen abfeierte. Der
rassistische Kongress wurde jedoch nicht von
ihnen, sondern durch die entschiedenden Aktionen und
Blockaden der von Stadt und Staat kriminali-
sierten Aktivist_innen verhindert.
Diese Art der Repression ist nicht ungewöhnlich und desha
lb nicht weiter verwunderlich. Die Hoffnung
im Kontakt mit der Lokalpolitik ein autonomes Zentru
m in Köln zu realisieren wurde dennoch noch
nicht aufgegeben. Oberbürgermeister Roters seinerseits
bestätigte auf einer Wahlkampfveranstaltung
in den Räumlichkeiten des Kölner Kunstvereins im verga
ngenen Sommer, als er gefragt wurde, ob er ein
autonomes Zentrum in Köln unterstützen würde: „So was
braucht Köln!“.
Nun wissen nicht nur die jungen Menschen, die Künst
ler_innen und Musiker_innen, die Aktivist_innen
des Widerstands, die Unangepassten und Rebellieren
den, dass auf die Versprechen der Politik spezi-
ell im Wahlkampf nicht viel zu geben ist. Zumal die Forde
rung doch zunächst unverschämt und dreist
daher kommt:
„Wir wollen ein ausreichend großes Gebäude, indem sich
ein selbstverwaltetes Zentrum für Kunst,
Kultur und Politik autonom, also unabhängig von staatl
ichen und wirtschaftlichen Interessen, entwi-
ckeln kann. Wir sehen keinen Grund, warum jemand ander
es als die Nutzer_innen und Besucher_innen
dieses Zentrums über dieses bestimmen sollten oder
weshalb für ein Gebäude, das so genutzt wird,
irgendjemandem Miete zu zahlen wäre. Anders sind selbs
torganisierte und unkommerzielle Veranstal-
tungen kaum durchzuführen. Außerdem wollen wir, dass
dieses Projekt diesmal von Stadt und Staat
akzeptiert wird und nicht ständigerRepression ausgesetzt
ist“
Von einem solchen Zentrum profitieren zunächst ledigl
ich die Nutzer_innen des kulturellen, kulinari-
schen und politischen Angebots, welches so ein Zentru
m bieten kann, jedoch bleibt den Nutzer_innen
eben auch nichts anderes übrig, als dieses Angebot eigen
verantwortlich zu gestalten und überhaupt
erst möglich zu machen. Zur Nutzer_in kann jeder Mens
ch werden, so lange der emanzipatorische Rah-
men mit einer Nichtakzeptanz von Rassismus, Sexismus
und Homophobie gewahrt wird. Klar ist aber
auch, dass das kulturelle Leben einer Stadt eben solch
e Orte braucht um sich überhaupt entwickeln zu
können, so sind es doch nicht die überteuerten und aufge
blasenen Großevents, die das Kulturelle und
Politische im Alltag der Menschen bestimmen.
Verwunderlich ist es an sich schon, dass Köln noch imme
r kein solches Zentrum hat, gab es doch schon
seit den 80er Jahren immer wieder Versuche, soziale,
autonome oder kulturelle Zentren mit einem
ähnlichen Ansatz zu gründen, die jedoch regelmäßig mit
Räumung, Abriss oder anderen polizeilichen
Maßnahmen erstickt wurden. Andere Städte des Rhein
landes wie Aachen und Mühlheim haben sich
schon längst an ihre autonomen Zentren gewöhnt und
diese sogar schätzen gelernt, eben weil sie von
den Menschen als Bereicherung empfunden werden.
Ungewöhnlich oder gar unmöglich wäre die kostenfreie
Bereitstellung eines geeigneten Gebäudes für
ein autonomes Zentrum in Köln jedoch keineswegs. Spezi
ell im rechtsrheinischen Köln gibt es seit
dem Zusammenbruch der großen Industrie beachtliche
n Leerstand geeigneter Gebäude, die im Besitz
der städtischen Sparkasse sind. Großzügige Schenkunge
n der Stadtsparkasse an „Visionäre“ und
unwirtschaftliche Projekte gehörten doch in den letzte
n Jahren zum kölschen Alltagsgeschehen. Damit
meinen wir die viel zitierten Klüngeleien rund um den
Messebau, die MMC Filmstudios in Ossendorf
und die Oppenheim-Esch Affäre.
Doch ein krudes Versehen kann es nicht gewesen sein,
dass die finanziellen Aufwartungen an die unab-
hängige und unangepasste Kultur und Politik der Stadt
schlicht vergessen wurden, geht es doch in Kalk
und Deutz weiterhin ums große Spekulationsgeschäft
mit dem Leerstand. Sogenannte Masterpläne
entstehen, die den rechtsrheinischen Stadtteilen zu neuem
verhelfen sollen, sei es nun der neue Bio-
tech Campus, die geplanten Eigentumswohnungen für
die vermögende Avantgarde, der Behördenkom-
plex „Kalkatraz“ am Ottmar-Pohl-Platz oder eben die futuri
stische Polizeigroßwache in Köln Kalk. Die
Menschen wurden natürlich nicht gefragt, ob auch sie
nach diesem falschen Glanz gieren. Vergleichba-
re, geplante Stadtteilentwicklungspläne haben in ander
en Städten dazu geführt, dass die Mietpreise
explodierten,während dem Großteil der Leute im Bezirk
nichts übrig blieb als weiter an den Stadtrand
zu ziehen. Auch auf diese prekäre Situation will und kann
ein autonomes Zentrum Bezug nehmen. Ein
Autonomes Zentrum gibt den Menschen Möglichkeiten
an Stelle von weiteren äußeren Zwängen, weil
es der Raum für den Versuch von Alternativen zum Beste
henden sein wird.
Dieses öffentliche Kommunique soll an die gegebenen
Versprechen der Kölner Lokalpolitik erinnern,
Räumlichkeiten für ein Autonomes Zentrum zur Verfüg
ung zu stellen. Es richtet sich aber auch an alle
Unterstützer_innen der Kampagne Pyranha und an alle
Menschen, denen das Autonome Zentrum eine
wahre Herzensangelegenheit ist.
Die Kampagne bittet um Reaktionen aller Art: schreibt
öffentliche Antworten, schenkt ein Haus, kriti-
siert die Kampagne oder werdet einfach unbequem...
FÜ R 1,2 ,3 VIELE AUTONOME ZENTREN
IN KÖLN UND ÜBERALL !!!
INFOS & KONTAKT: WWW.PYRANHA.INFO
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Der Hambacher Wald darf erstmal stehenbleiben. Nach der BUND-Klage verbietet der Wirtschaftsminister von NRW den Kahlschlag bis Herbst 2018.

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Re: Pyranha-Kommunique#01 in Köln veröffentlicht

#2 Beitragvon MAUS » 21. April 2010, 11:17

Pyranhas: Instandbesetzung auf dem KHD-Gelände
Köln (NRhZ/vonKi, 16..4.) Das ehemalige KHD-Gelände an der Kantstraße/Wiersbergstraße Nr. 44 in Köln-Kalk wurde heute abend, in Schußweite der zuständigen Polizeiwache, von einer Gruppe BesetzerInnen geentert. Das Areal, das sich zur Straße hin noch in vorzeigbarem baulichem Zustand präsentiert, erweist sich im Inneren als weitgehend verfallene Trümmerruine. Im Innenhof hat die Stadt Köln Warnschilder aufgestellt, die "Lebensgefahr" signalisieren. Die Besetzergruppe wollte dieses weitere Beispiel städtisch verantworteter Verrottung öffentlicher Bausubstanz nicht mehr hinnehmen, sondern die Gebäuderuine einer gesellschaftlich nützlichen Verwendung zuführen. „In den nächsten Tagen wird dort ein Autonomes Zentrum entstehen", proklamiert die Kampagne Pyranha in einer ersten Erklärung. Polizeikräfte zeigten sich in kleiner Besetzung vor Ort, hielten sich aber bis zur Stunde zurück. Bei Straßeninterviews wurde die Aktion von AnwohnerInnen mit Interesse und teilweise mit Verständnis begleitet. Es sei begrüßenswert, daß sich endlich einmal junge Leute um die verfallende Bausubstanz kümmerten, betonte einer der von uns befragten Bürger.

Solang die Meldung aktuell ist, kann man sie hier finden:
http://www.nrhz.de/flyer/suche.php?ress ... _menu=News

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Re: Pyranha-Kommunique#01 in Köln veröffentlicht

#3 Beitragvon Knox » 21. April 2010, 19:23

schön das die maus noch mal hier vorbeischaut
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Re: Pyranha-Kommunique#01 in Köln veröffentlicht

#4 Beitragvon Knox » 21. April 2010, 19:59

Köln - Ein paar AZ Neuigkeiten

Einige Neuigkeiten gibt es aus der seit Freitag besetzten Wiersbergstraße 44, dem neuen Autonomen Zentrum Kölns. Nachdem die BesetzerInnen Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen hatten, um mit ihm in Verhandlungen zu treten. Gab es auch eine direkte Reaktion der Stadtsparkasse Köln/Bonn, nämlich die Aufforderung das Gebäude zu verlassen. In der heutigen Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers ist ein längerer Artikel zum Anliegen der BesetzterInnen erschienen, auf der Seite http://unsersquat.blogsport.eu kann man sich außerdem noch einen schönen Radiobeitrag anhören. Und neben einem prall gefüllten Terminkalender für die nächsten Tage, gibt es das zweite Kommunique jetzt auch als Videobotschaft. Inzwischen haben sich zudem der AStA der Fachhochschule Köln und die Ratsfraktion der Linkspartei an die Öffentlichkeit gewandt und Solidaritätserklärungen veröffentlicht.
„Keine Duldung der unrechtmäßigen Besetzung des Gebäudes Wiersbergstraße – ehemalige Kantine aus Sicherheitsgründen für ein Autonomes Zentrum nicht nutzbar.“ heißt es in einer Medieninformation der Stadtsparkasse Köln/Bonn. Darin werden die BesetzterInnen aufgefordert das Gebäude sofort wieder zu verlassen, außerdem habe die Stadtsparkasse „bereits rechtliche Schritte eingeleitet“. Als Hauptgrund wird in der Erklärung herangezogen das die statischen und hygienischen Gegebenheiten des Gebäudes eine Nutzung als Autonomes Zentrum einfach nicht zuliesen.

Im Artikel des Kölner Stadtanzeigers von heute wird Sparkassen-Sprecher Norbert Minwegen wie folgt zitiert „Wir sind da in Gesprächen mit der Polizei und der Stadtverwaltung. Schließlich handelt es sich um eine private Immobilie und nicht um ein öffentliches Gebäude.“ Außerdem ist dort zu lesen: „SPD und Grüne haben sich am Montagabend darauf verständigt, dass man sich in Gesprächen und Verhandlungen mit den Hausbesetzern, dem Eigentümer und der Stadtverwaltung um eine Verhandlungslösung bemühen will. „Wir wollen nichts eskalieren lassen. Unter Umständen ist ja dort mit einem wie auch immer gearteten Trägerverein ein ordentlicher Mietvertrag möglich“. Die Polizei hielt sich in den letzten Tagen ebenfalls zurück und versucht seit Sonntag Abend nicht mehr Menschen den Zugang zu versperren.

Die komplette Erklärung der Stadtsparkasse hier:
http://unsersquat.blogsport.eu/pressemi ... e-kolnbonn

Videobotschaft der BesetzerInnen
http://www.youtube.com/watch?v=98mVow6ll_M

Einige Fotos aus der Wiersbergstr. 44
http://www.flickr.com/photos/strassenst ... 759847753/
http://unsersquat.blogsport.eu
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