WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

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Knox
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WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#1 Beitragvon Knox » 3. März 2010, 11:08

Nachdem sich die deutsche Punkrockszene mitten in der Grauzonendiskussion befindet, kommt nun auch die Metal Szene hierzulande, speziell das Wacken Open Air, in diesen Genuss. Mit der Coburger Viking Metal Band VARG, haben sich die Veranstalter nämlich eine Band ins Boot geholt, die Texte von Ehre, Stolz und alten Werten zum Besten gibt. Aus dem Umfeld der Band bestätigten scheinbar einige Personen eine rechte Gesinnung der Bandmitglieder. Die Band selbst distanziert sich allerdings von den Vorwürfen und meint, man könne durchaus von Ehre, Treue und Stolz singen, ohne ein Nazi zu sein. Warum die Bandmitglieder angeblich auch Rechtsrockbands als Lieblingsbands haben, bzw. Shirts der NSBM Band ABSURD tragen? Warum das erste VARG Album bei Heidenklangwerke, der Tochterfirma des rechtsextremen Wikinger Versand eingespielt wurde? Warum das Legacy-Magazin sich wortreich von VARG distanziert hat? Warum Twilight Mailorder und Nuclear Blast alle Veröffentlichungen und Fanartikel von VARG aus dem Sortiment genommen haben? Fragen, über deren Antworten man Spekulieren kann oder deren Antworten klar auf der Hand liegen.

Das Statement der W:O:A Veranstalter liest sich wie folgt:
Liebe Metalheads, in den letzten Tagen kamen vermehrt Reaktionen auf, die sich mit dem Auftritt der Pagan-Metal Band Varg beim W:O:A beschäftigen. Unter anderem gab es diverse Massen-Emails, die im Internet verbreiten, eine rechtsradikale Band würde auf dem W:O:A spielen. Anstoß der Diskussion ist ein Foto von 2007, auf dem der Sänger der Band mit einem “Absurd” T-Shirt zu sehen ist. Varg und deren Sänger Philipp Seiler haben sich in diversen Statements und auf jedem ihrer Konzerte klar gegen Faschismus und Rechtsradikalismus positioniert. Wir haben uns als Veranstalter natürlich auch mit diesem Thema auseinander gesetzt. Die Band hat uns in diversen Gesprächen absolut glaubhaft vermittelt, dass sie den begangenen Fehler sehr bereuen und keinerlei rechtes Gedankengut oder rechte Tendenzen innerhalb der Band oder deren Musikern vertreten werden. Darüber hinaus haben wir uns bei diversen „Kennern“ der Szene und großen Metalmags informiert, die uns auch in den gewonnenen Erkenntnissen bestärkt haben, dass es sich bei Varg nicht um eine Band mit rechten Tendenzen handelt. Unter anderem wird es in der Aprilausgabe des deutschen Rock Hard ein ausführliches Interview von Wolf Rüdiger Mühlmann mit Philipp Seiler geben, in dem die Faktenlage nochmals klar aufgezeigt und durchleuchtet wird. Wir als Veranstalter haben uns darum bei der jetzigen Faktenlage entschieden, Varg auf dem W:O:A spielen zu lassen und nicht vom Billing zu streichen, denn gerade wir Metalheads sind doch dafür bekannt, Menschen die Fehler eingestehen und sich klar positionieren eine zweite Chance zu geben. In Kürze werden wir auf wacken.com auch noch ein Videostatement von Philipp Seiler veröffentlichen, in welchem er zu den Anschuldigungen Stellung bezieht.

Euer
W:O:A Team
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Bobso
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#2 Beitragvon Bobso » 3. März 2010, 12:34

Joah, aufm Force Attack haben wir die Krawallbrüder, da darf eine politisch ähnlich gerichtete Band wohl auch nicht bei den den Metalheads fehlen.
Sehr peinlich auch, dass der Sänger mit einem ABSURD-Shirt rumläuft und dann auf einmal meint, er wäre kein Nazi.
Nazi sicherlich nicht, aber bestimmt ein rechtsoffenes Arschloch, dass sich einen Dreck darum schert, mit wem er sein Bier trinkt.
Eirinnert mich ein bisschen an die Deppen von Frei.Wild!

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Knox
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#3 Beitragvon Knox » 3. März 2010, 19:49

Philipp S. wird als jemand dargestellt, der "einen Fehler" begangen, diesen eingesehen und bereut, und somit eine "zweite Chance verdient" hat. Dazu passt auch die Aussage von Stefan Hattinger, der mit Rock The Nation die aktuelle "Paganfest"-Tour mit VARG veranstaltet und ihr aktuelles Album "Blutaar" auf dem extra zu diesem Zweck gegründeten Label Noise Art Records veröffentlicht hat, im Interview mit dem österreichischen Webzine Stormbringer am 23.02.2010: "Was bei der ganzen Geschichte passierte ist, dass der Philipp sich in seiner Vergangenheit irgendwo angelehnt hat und dabei ein wenig braune Farbe abbekommen hat."

Nach allem was man mittlerweile über Philipp "Freki" S. und seine Umtriebe in den vergangenen drei Jahren weiß, ist die Annahme, er sei ein naiver Junge der sich mit "falschen Freunden" eingelassen hat, nun wirklich das letzte woran man denkt.

Die - bestätigte - Faktenlage sieht im Großen und Ganzen folgendermaßen aus:

1. S. hat im Jahr 2006 eine Facharbeit zum Thema "Politik & Pagan Metal" geschrieben und sich darin ausführlich mit Absurd und dem "rechten Rand" in der Black und Pagan Metal-Szene befasst. Naiv in dem Sinne, dass er von alledem nichts gewusst hat, war er also von Anfang an überhaupt nicht.
2. S. hat im Frühjahr 2007 ein Konzert der Band Absurd im fränkischen Gremsdorf besucht. Angeblich will er schon nach drei Liedern gegangen sein; aber entscheidend ist nicht wann er von dort gegangen ist, sondern, dass er überhaupt erst dorthin gegangen ist. Auf eine Veranstaltung der NPD gerät man auch nicht durch Zufall...
3. S. hat den "Satansmörder von Sondershausen", Hendrik M., auf das Wolfszeit-Festival im Jahr 2007 eingeladen. Dort wurde M. als "V.I.P." behandelt. S. hat Hemden von Absurd, darunter auch das "Ulfhednir"-Hemd mit dem er Ende 2007 fotografiert wurde, von M. gekauft. Es soll dann auch eine Absprache hinsichtlich zukünftiger Zusammenarbeit gegeben haben. Das hat doch eindeutig mit mehr als nur der Faszination für einen "negativen Hauptdarsteller" zu tun.
4. Das erste Album von VARG, "Wolfszeit", wurde von einem Label, hinter dem der Wikingerversand stecken soll, veröffentlicht. Gleichzeitig wurde ein T-Shirt von VARG veröffentlicht (siehe Foto), auf dem ein Hakenkreuz (in Deutschland auch in dieser, abgerundeten Form strafbar) abgebildet ist. Da Philipp S. sich mit der Politisierung des Pagan Metal durch "Rechtsextreme" hinreichend beschäftigt hat - siehe seine o.g. Facharbeit, die man sich hier herunterladen kann - kann er schwerlich behaupten, er habe sich bei alledem gar nichts weiter gedacht.
5. Eine weitere Firma aus dem Umfeld des Wikingerversands, der - mittlerweile eingestellte - Nordahl-Versand, trat als Sponsor des Wolfszeit-Festivals in den Jahren 2007 und 2008 auf. Medienpartner beim Wolfszeit-Festival 2008 war das Ablaze Magazin, in dem regelmäßig solche Bands, die dem "rechten Rand" des Black und Pagan Metal zugerechnet werden, zu Wort kommen. Offenbar hatte S. keinerlei Berührungsängste, als er diese Kontakte knüpfte und zu seinem Vorteil nutzte.
6. VARG haben zwei Konzerte mit solchen Bands, die mehr oder weniger eindeutig am "rechten Rand" des Black und Pagan Metal angesiedelt sind, zusammen gespielt. Einmal mit ISOLFUR und einmal mit EUGENIK, in Thüringen bzw. in Sachsen. Außerdem hat S. mindestens ein Konzert mit der ukrainischen Band KRODA, die ebenfalls den Ruf hat, eine "rechte" Pagan Metal-Band zu sein, organisieren wollen. In Anbetracht seines Hintergrundwissens zu der Verflechtung des Pagan Metal mit "Rechtsextremisten" muss man S. eine Absicht bei alledem unterstellen. Ein "Fehler" war es jedenfalls nicht.
7. S. hat im Frühjahr 2009 eine Deutschland-Tour mit TAAKE organisiert. Hendrik M. hat einen Verkaufsstand auf dem Konzert, welches in Berlin stattfand, machen können. Der Kontakt zwischen S. und M. muss offenbar mehr gewesen sein, als nur eine flüchtige Bekanntschaft. Auch ohne Facharbeit zur "Politik im Pagan Metal" hätte S. wissen müssen wer M. ist, was M. getan hat und wofür M. steht. Wer sich freiwillig mit diesem Mann einlässt, der lehnt sich nicht einfach irgendwo an, wie es Stefan Hattinger nun darstellen möchte. Nein, der sucht ganz bewusst diesen Kontakt, entweder weil er mit M. sympathisiert oder weil er sich von diesem Kontakt irgendeinen Vorteil verspricht. Mit einem "Fehler" hat das ganz bestimmt nichts zu tun!
8. S. hat in der Vergangenheit auf jede Kritik an VARG, hinsichtlich der Annäherung an den "rechten Rand" des Black und Pagan Metal, mit Arroganz und mit Spott reagiert. Dazu kann man auch hier noch eine sehr aussagekräftige Stellungnahme vom 10.10.2008 finden: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuse ... =440002282 Zu keinem Zeitpunkt hat er von sich aus "reinen Tisch" machen, sich offenbaren und seine Kontakte an den "rechten Rand" des Black und Pagan Metal einstellen, wollen. Im Grunde genommen hat er seine Fans jahrelang belogen. Aber auf einmal steht er als glaubwürdiger, reuiger Sünder da?
9. Das Donzdorfer Label Nuclear Blast Records hat einen bereits abgeschlossenen Vertrag mit VARG, der sogar schon in der Öffentlichtkeit verkündet wurde, annulliert, weil ihnen die Machenschaften und Kontakte von Philipp S. eindeutig zu weit gingen und er diese wohl auch nicht zufriedenstellend erklären bzw. die sich daraus ergebenden Fragen nicht beantworten konnte. Erst jetzt kam S. auf die Idee, die Kampagne "VARG & Fans gegen Nazis" ins Leben zu rufen. Das hat auch nichts mit Einsicht in irgendein Fehlverhalten zu tun. Es ist nichts anderes als Opportunismus und Heuchelei!

Um von all den offenen Fragen und Widersprüchlichkeiten in der causa VARG abzulenken, wird Wolf-Rüdiger Mühlmann vom RockHard ein groß angelegtes Ablenkungsmanöver starten, so hat es jedenfalls den Anschein. Denn dem Vernehmen nach geht es in dem angekündigten Interview mit Philipp S., in der nächsten Ausgabe des RockHard, gar nicht so sehr um den Inhalt der gegen ihn gerichteten Vorwürfe - sondern darum, aus welcher Ecke diese Vorwürfe stammen sollen.

Angeblich soll es sich um eine Verschwörung von "Rechten", allen voran besagter Hendrik M., handeln, die sich an S. "rächen" wollen. Weil er es "gewagt" habe, sich von ihnen "abzuwenden". Aus diesen Kreisen heraus würde eine "Kampagne" gegen VARG lanciert, um diese Band als "Nazis" zu diffamieren.

Philipp S. stellt sich in seiner o.g. Videobotschaft auch als Opfer einer solchen Kampagne dar, und spricht von einer "oberflächlichen Hetze von Rechtsaußen".

So einfach will man es sich jetzt machen, aber man kann es nicht.

Zunächst gibt es gar keine Kausalität zwischen der angeblichen Distanzierung von Philipp S., vom "rechten Rand" des Black und Pagan Metal, und den Vorwürfen, die seit Januar 2010 im Internet über ihn geäußert werden. Bereits 2008 wurde im Ablaze Magazin darüber berichtet, dass S. auf seinem Wolfszeit-Festival die Kontrolle von Bandhemden eingeführt hat, um "rechte" Besucher von seiner Veranstaltung fernhalten zu können. Auch die Band VARG hat ja immer wieder betont, man sei alles aber keine "Nazi"-Band. Die o.g. Stellungnahme vom 10.10.2008 betitelte man so: "Wir sind GEGEN Nazis!". Dennoch gab es zu diesem Zeitpunkt keine "Hetze von Rechtsaußen" gegen VARG und gegen Philipp S., im Gegenteil - kein halbes Jahr später haben sich Philipp S. und Hendrik M. in Berlin auf dem TAAKE-Konzert die Hand gegeben.

Ganz egal aus welcher Ecke, und mit welcher Motivation, die Vorwürfe gegen Philipp S. geäußert werden; es steht mittlerweile doch fest, dass diese Vorwürfe eben nicht aus der Luft gegriffen sind sondern tatsächliche Begebenheiten wiedergeben. Das hat nichts mit "Hetze" oder gar mit "Rufmord" zu tun. Denn es kommt jetzt nur zum Vorschein, was lange Zeit über verdrängt oder ignoriert worden ist. Auch und gerade von jenen "Metalbrüdern" die sich jetzt die Ehrenrettung von Philipp S. auf die Fahne geschrieben haben - und dabei doch alles andere als selbstlos und uneigennützig handeln.

Selbst wenn es so wäre, dass die Vorwürfe gegen Philipp S. von irgendwelchen "Rechtsextremisten" verfasst werden: Werden diese Informationen dadurch wertlos?
Genau diesen Eindruck wollen Wolf-Rüdiger Mühlmann und Stefan Hattinger vermitteln. Weil es doch "Nazis" sein sollen, die hier mit "braunen Dreck" auf VARG werfen, darf man sich das, was sie zu sagen haben, gar nicht erst anhören. Und tut man es doch, dann darf man nichts von alledem glauben. Weil "Nazis" immer lügen, und sowieso nur aus niederen Beweggründen heraus handeln...

Nein, gelogen hat Philipp S. - und er wird es wohl weiterhin tun, wenn es um seine Vergangenheit geht - und die niederen Beweggründe wird man zunächst bei denen, die seine Lügen decken und bagatellisieren, vermuten müssen. Denn es geht ums Geschäft und ums Geld, sowohl bei dem einen wie auch bei dem anderen. Andernfalls hätte man Philipp S. schon längst genauso zur Rechenschaft gezogen, wie es in vergleichbaren Fällen passiert ist.
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#4 Beitragvon Knox » 11. März 2010, 14:50

Philipp "Freki" Seiler: Eine zwielichtige "Lichtgestalt"?

Das PartySan Open Air (PSOA), bekannt für seine harte Haltung gegen "rechte Tendenzen" im Metal, hat sehr lange für eine Stellungnahme, zum geplanten Auftritt von Philipp "Freki" S. und VARG auf dem diesjährigen PSOA, gebraucht.
Seit vorgestern erklärt man folgendes:
"Wir baten euch vor einigen Wochen um ein wenig Geduld, damit wir uns in der Angelegenheit VARG ein umfassendes Bild machen können. Das ist, wie schon mehrfach erwähnt, nicht so einfach gewesen, wie zunächst gedacht. Besonders, da in dieser Angelegenheit viel Engagement von den beiden politischen Extremen in die Kampagne gelegt wurde, so dass wir regelrecht mit Mails zu diesem Thema zugespamt wurden. Nun, da wir viele Gespräche mit VARG, Philipp, Pressevertretern und einer Menge Metal Fans geführt haben, haben wir uns entschieden, VARG auf dem Party.San Billing zu belassen. Da bei der Diskussion in allen Foren viele Emotionen im Spiel waren, wollen wir euch diese Entscheidung in ein paar kurzen Worten erklären.

Das Party.San Open Air ist für eine klare politische Haltung gegen die Unterwanderung der Metal Szene durch rechte Spinner bekannt. Als die ersten Mails bei uns eintrafen, die VARG und Philipp einen rechten Background unterstellten, war klar, dass wir die Band bei uns nicht auftreten lassen, wenn sich diese Anschuldigungen bewahrheiten sollten.

Um das herauszufinden, haben wir uns nicht nur auf die zahlreichen Statements von Philipp verlassen. Wir haben uns weiter in das Thema eingelesen und recherchiert. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Informationen, die die Kampagne angeheizt haben, von der rechten Seite kamen. Private Fotos aus der Zeit als Philipp noch mit der rechten Szene zumindest kokettierte, oder sogar seine Schularbeiten konnten nicht so einfach ins Netz gelangen. Sie wurden gezielt eingesetzt, um Philipp zu diskreditieren – auf zum Teil gefakten, rechten Internetpräsenzen. Die extrem Linke und einige, privat von Philipp „Enttäuschte“, ließen sich vor den Karren spannen und schürten die Kampagne weiter. Philipp musste sich - zu Recht - bei seinen Fans, Label, Veranstaltern und der Presse erklären. Daraus ergibt sich, dass Philipp wirklich eine rechtseitig blinde Vergangenheit hat und sich von dieser nun distanziert und er klar gegen die rechte Szene Stellung bezieht.

Was bleibt also unterm Strich, was unsere Entscheidung beeinflusst.

* VARG, eine Band, die kommerziellen Erfolg haben will und weder in Texten noch durch äußere Bekundungen in die rechte Ecke gehört

* der Sänger von VARG, Philipp, der in der Vergangenheit mit der rechten Szene in Berührung gekommen war und sich nun mit aller Kraft davon distanziert und die rechte Szene öffentlich bekämpft.

* eine wütende rechte Szene, die damit eine ihrer gewünschten Lichtgestalten verloren hat

* eine, bei der Rechten abschreibende, extreme Linke die sich beim mopsen erwischen ließ und offenbar keinem rechten Aussteiger eine Chance geben will – und somit negiert, dass der Mensch lernfähig ist

Wir sehen den Menschen als lernfähig an und erkennen den positiven Lern-Ansatz bei Philipp an, so dass wir ihm nicht die Tür vor der Nase zuschlagen werden. Warum sich einer aus dem Dunstkreis der Rechten befreit, ob aus moralischen oder kommerziellen Gründen, ist uns dabei egal. Wichtig ist, dass es so ist und wir den Eindruck haben, dass dieser Vorgang nicht umkehrbar ist. Davon sind wir im Fall Philipp überzeugt.

Wenn wir als Metaller, den Mitläufern und/oder Aussteigern aus der rechten Szene nicht die Möglichkeit geben würden, sich in der Mitte der Gesellschaft neu zu etablieren, müssen wir davon ausgehen, dass keiner mehr seinen ideologisch, verklärten Lebenswandel überdenkt und sich neu positioniert. Somit sehen wir im Verbleib von VARG auf dem Party.San Billing unsere eigene moralische Pflicht.

Das Party.San Team"

Diese Erklärung muss genau analysiert werden, weil sie sozusagen die Quintessenz der Doppelmoral beim Umgang der "Metalbrüder" mit S. darstellt.

Die wesentlichen Kriterien für die Entscheidung, dass VARG weiterhin auf dem PSOA auftreten dürfen, sollen sein:

"VARG, eine Band, die kommerziellen Erfolg haben will und weder in Texten noch durch äußere Bekundungen in die rechte Ecke gehört"

- Die Texte von VARG sind zwar nicht rassistisch oder anderweitig nationalsozialistisch. Aber die pathetische Germanentümelei, welche sozusagen das Kernthema dieser Band darstellt, erinnert allzu oft an völkische Blut & Boden-Fantastereien aus "rechtsextremen Kreisen". Ein T-Shirt, welches auf einer ersten Tour von VARG verkauft wurde, zeigt das Bandlogo mit einem Hakenkreuz. Irgendwie gehört ein Hakenkreuz hierzulande doch "in die rechte Ecke", oder täuscht dieser Eindruck? Germanen + Hakenkreuz = Nazi. Diese Formel wird auch von den Veranstaltern des PSOA auf andere Bands angewendet. Aber nicht im Fall von VARG. Eine Band wie SKYFORGER aus Lettland, die bereits durch ihre Herkunft nicht automatisch als "Nazis" gelten sollten, musste sogar ihr altes Logo ändern, weil es immer wieder zu Problemen in Deutschland gekommen ist - obwohl die Band beteuerte, dass das Hakenkreuz im Logo nichts anderes als ein antikes, heidnisches Symbol darstellt...

"der Sänger von VARG, Philipp, der in der Vergangenheit mit der rechten Szene in Berührung gekommen war und sich nun mit aller Kraft davon distanziert und die rechte Szene öffentlich bekämpft"

- Philipp S. ist nicht mit der "rechten Szene in Berührung gekommen", sondern er hat die Nähe dieser Szene regelrecht gesucht. Man erinnere sich: Im Jahr 2006 warnt er, in seiner Facharbeit (hier abrufbar: http://www.thepaganfront.com/upload/Soz ... _Metal.pdf), vor der Unterwanderung des Pagan Metal von "rechtsaußen". Ein Jahr später besucht er ein ABSURD-Konzert, und er lädt Hendrik M. - bekannt als "Satansmörder" - als Ehrengast auf sein Wolfszeit-Festival ein. S. spielt vor "rechten" Publikum, und er veranstaltet Konzerte mit "rechten Bands". Noch vor einem Jahr arbeitet er mit Hendrik M. auf einem TAAKE-Konzert zusammen. Bei alledem handelt es sich um Tatsachen, die noch nicht einmal von S. selbst geleugnet werden. Und jetzt distanziert er sich davon "mit aller Kraft"? Nein, er ist zur Distanzierung gezwungen, weil er sich nicht länger mit Lügen über seine Vergangenheit (siehe erste Stellungnahme zum Foto mit ABSURD-Hemd) herausreden kann und weil er unbedingt Karriere mit VARG machen will. Wie sieht denn sein "Kampf gegen rechts" aus? Er brüllt "Nazis fuck off" von der Bühne. Wie ernst ist es ihm damit? Ihm wurde von mehreren Seiten attestiert, dass er gar kein "politischer Mensch" ist. Seine Parolen "gegen rechts" erfolgen auf Aufforderung, und auf Abruf. Sie haben keine Substanz. Als er mit "Nazi-Metallern" per Du war, da hätte er die "rechte Szene" doch an vorderster Front "bekämpfen" können - aber nichts ist passiert.

"eine wütende rechte Szene, die damit eine ihrer gewünschten Lichtgestalten verloren hat"

- Inwiefern sich die "rechte Szene" überhaupt mit der causa VARG befasst, sei noch zu beweisen. Nirgendwo, ausser in einigen Black Metal-Internetportalen, gibt es irgendeinen Kommentar zu dem Thema. Von Philipp S. als "gewünschter Lichtgestalt" der "rechten Szene" zu sprechen, das grenzt geradezu an Ironie. Die "Nazis" wollten Philipp S. anwerben und VARG vereinnahmen? Bei aller gebotener Distanz, aber man wird doch auch den "Nazis" mehr Geschmack und Verstand bei der Auswahl ihrer Führungsfiguren zutrauen dürfen. Die Faktenlage in der causa VARG belegt zudem, dass S. auf die "rechte Szene" zugegangen ist und sich dort angebiedert hat.

"eine, bei der Rechten abschreibende, extreme Linke die sich beim mopsen erwischen ließ und offenbar keinem rechten Aussteiger eine Chance geben will – und somit negiert, dass der Mensch lernfähig ist"

- Eben war Philipp S. noch jemand, der doch nur mit der "rechten Szene in Berührung gekommen war", nun ist er auf einmal ein "rechter Aussteiger". Aussteiger, das impliziert doch den Einstieg in diese "rechte Szene". Genau den will S. aber nie vollzogen haben, glaubt man seinen Äußerungen und den wohlwollenden Kommentaren der "Metalbrüder". Stefan Hattinger von Rock the Nation bezeichnet S. als jemanden, der sich irgendwo angelehnt und dabei "etwas braune Farbe" abbekommen hat. Eine geradezu verharmlosende Umschreibung jener Machenschaften am "rechten Rand" des Black und Pagan Metal, die Philipp S. nachgewiesen werden können. Und inwiefern ist S. nun "lernfähig"?

Man denke einfach an 2006, und seine Facharbeit zum Thema Politik & Pagan Metal, zurück. Hat S. denn nicht schon damals, BEVOR er sich mit den "Nazi-Metallern" eingelassen hat, alles über die Gefahren und den Mißbrauch von "rechtsaußen" gewusst?!

DAMALS schreibt er: "Die Pagan Metal Szene muss dem politischen Rechtsradikalismus als lohnendes Rekrutierungsfeld für neue Mitglieder erscheinen, weil eine grundsätzliche Übereinstimmung besteht: eine Ablehnung der bestehenden Gesellschaft und ihrer Kultur."
DANACH sucht er den Anschluß an eben jene Exponenten des "politischen Rechtsradikalismus", welche in der Pagan Metal-Szene neue Anhänger ihrer Ideologie rekrutieren wollen.
JETZT distanziert er sich von alledem und schreit "Nazis fuck off!".

Was hat er denn JETZT gelernt was er nicht schon DAMALS gewusst hat?!

Wieso redet man von einer "zweiten Chance", die Philipp S. verdient haben soll? Zwar ist es ein weit hergeholter Vergleich, aber er kann durchaus als Denkanstoß dienen: Ein Künstler, der noch in der Weimarer Republik einen Aufsatz verfasst in dem er vor den Nationalsozialisten warnt, der aber nach 1933 ein Mitglied der NSDAP wird um seine Karriere voranzutreiben - ihm hätte man nach 1945 nicht attestiert, ein geläuterter "Aussteiger" zu sein, der Fehler gemacht und aus ihnen gelernt hat. Eine "zweite Chance" wäre ihm vewehrt geblieben.

Die Stellungnahme des Party San Open Air ist doch einigermaßen verblüffend, weil man Philipp S. geradezu in Schutz nimmt und so gut wie keine Kritik an ihm übt. Andere Bands wurden, wegen - im Vergleich zu den Umtrieben des Philipp S. - geradezu lachhaften "Vergehen", vom PSOA verjagt. Aber bei VARG entdeckt man auf einmal eine "moralische Pflicht", die den Verbleib der Band auf dem Festival geradezu zwingend notwendig macht. Vor den Fakten, welche die Schlußfolgerungen des PSOA ad absurdum führen, verschließt man die Augen. Ob die Veranstalter demnach von der Lichtgestalt Philipp S. oder doch einfach nur vom fabelhaften Reichtum seines Labels geblendet wurden, darüber lässt sich trefflich spekulieren.
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#5 Beitragvon Redbackspider » 22. März 2010, 14:42

Mal ne blöde Frage. Kann ich unseren 17 jährigen Sohn da eigentlich noch hinlassen oder wird das dieses Jahr, 2010 noch schlimmer dort ???
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#6 Beitragvon Knox » 22. März 2010, 22:01

denke ja er ist ja fast volljähring aber ich würde ihn aber über einige bands aufklären
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#7 Beitragvon Redbackspider » 22. März 2010, 22:31

Ich denke aufgeklärt ist er was Nazies anbelangt. Jetzt ist es dann an mir zu sehen welche Bands dort auftreten und welche von denen nicht ganz "waschecht" sind. Leider steht er nicht so wie ich auf Punk. :-)

Ich hab jetzt mal gelesen was sich da so um die Band tut. Meiner Meinung nach wird das runtergespielt. Sehe ich mir die Seite der Band an dann erinnert das Aussehen (z.B. Schriftbild) an längst vergangene Zeiten, die out sind. :smile:
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#8 Beitragvon Knox » 23. März 2010, 00:14

klar wird das runter gespielt aber wenn er er auf metal mucke steht ist es halt das festival schlecht hin wo man in dem alter einfach hin mus
problem ist halt das die metal fraktion teilweise halt von rechts unterwandert ist oder sich zumindestens gerne am rechten rand tummelt und da nicht sogenau drauf achtet wie wir punks
da bleibt dir nur genaue aufklärung mehr einflus hast du eh nicht in dem alter in dem er ist
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#9 Beitragvon Redbackspider » 23. März 2010, 10:41

Ich denke das es nicht viel aufzuklären gibt bei dem Jungen. Ein kurzes Gespräch gibt es aber heute. Ich denke wenn jeder fast 17 Jährige so vernüftig wäre wie er gebe es kaum Probleme in der Pubertät *grins* Wenn nur dran denke wie ich drauf war.
Ich hab das Glück das er seinem langhaarigen, 45 Jahre alten, Stiefvater akzeptiert. Vielleicht gebe ich Ihm auch nur mal diesen Artikel hier zum lesen. Das dürfte reichen das er das dann kritischer sieht.

In diesem Sinne.

Nen schönen Tag und Danke für die Antworten.
Die Spinne
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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#10 Beitragvon Knox » 23. März 2010, 10:55

Die Red Back Spider ist eine der in Australien bekanntesten Spinnenarten und ist verwandt mit der schwarzen Witwe, die überwiegend in Nordamerika vorkommt.

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Re: WACKEN UND DIE GRAUE ZONE

#11 Beitragvon Redbackspider » 23. März 2010, 11:19

Ich liebe diesen kleinen tötlichen Tiere *gröhl*
Leider ktiegt man die Tiere hier in Deutschland nicht fürs Terrarium. Und wenn dann will ich nen Funnelwebspider haben :cool:

funnel-web-spider-431x300.jpg
funnel-web-spider-431x300.jpg (31.38 KiB) 1476 mal betrachtet


Kleiner und giftiger geht nicht mehr.
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