HH: Schanzenfest 2012

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Knox
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HH: Schanzenfest 2012

#1 Beitragvon Knox » 14. Mai 2012, 19:33

Das Straßenfest im Schanzenviertel am 25.8.2012 steht unter dem Motto der Proteste, Streiks und Aufstände gegen soziale Kürzungen in Griechenland. Mit dem Fest soll Solidarität gezeigt und Geld gesammelt werden zur Unterstützung von antirassistischen sozialen Bewegungen und Menschen, die von Repression betroffen sind. Von den Ständen auf dem Schanzenfest wird zu diesem Zweck eine solidarische Spende erwartet.
Es wird ein Solidaritätsstraßenfest für die Proteste und sozialen Bewegungen in Griechenland angekündigt unter der Überschrift: "Kapitalismus, Krise, Widerstand: Schanzenfest auf Griechisch".

Im Aufruf heißt es:
"Das Straßenfest im Schanzenviertel am 25.8.2012 steht unter dem Motto der Proteste, Streiks und Aufstände gegen soziale Kürzungen in Griechenland. Mit dem Fest soll Solidarität gezeigt und Geld gesammelt werden zur Unterstützung von antirassistischen sozialen Bewegungen und Menschen, die von Repression betroffen sind. Von den Ständen auf dem Schanzenfest wird zu diesem Zweck eine solidarische Spende erwartet.

Alle sind eingeladen, das Schulterblatt zum Syntagma-Platz zu machen. Wir wollen mit diesem Motto nicht die Riots aus Athen reproduzieren und zum Selbstzweck erheben, sondern Protest und selbstbestimmtes unkommerzielles Feiern gegen eine EU-Politik, der die ökonomische Wertschöpfung wichtiger ist als die Lebensbedingungen der Menschen. Dies bedeutet für uns mehr als Ouzo und Tsatsiki, Rembetiko oder griechischer Punk: Eine inhaltliche und politische Veranstaltung jenseits von Kommerzkultur, mit der wir an politische Kampagnen und antikapitalistische Proteste anknüpfen.

Von Bild bis Spiegel wird gehetzt: "Die Griechen" seien faul, lebten auf unsere Kosten und sollten sich deutsche Tugenden aneignen. In Wahrheit profitieren die reichen EU-Länder und insbesondere Deutschland in dieser Krise von zusätzlichen Einnahmen durch hohe Zinsen für gewährte Kredite. Gleichzeitig können diese sich selbst billiges Geld leihen, durch höhere Attraktivität und Nachfrage am Kapitalmarkt aufgrund hoher Ratings.
Darüber hinaus schuldet Deutschland Griechenland immer noch immense Entschädigungszahlungen aufgrund von Kriegsverbrechen im Nationalsozialismus. Ein Bild, das Deutschland zum Opfer griechischer Verhältnisse erklärt, leugnet die historische Verantwortung zum Beispiel für Erschießungen und Hinrichtungen der Zivilbevölkerung. Betroffene werden bis heute nicht entschädigt und in Rechtlosigkeit versetzt.

Krisen sind für uns unabdingbare Konsequenzen aus den Widersprüchen des Kapitalismus. Deshalb helfen auch keine der gängigen Strategien - weder der neoliberale Glaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes noch nationalistische Starker-Staat-Modelle - sie zu beenden oder zu vermeiden. Ebenso wenig aber bringt Krise automatisiert Widerstand und emanzipatorische Bewegung hervor. Es gibt immer auch reaktionäre Antworten auf Krisensituationen; nicht nur „von oben“ in Form verschärfter Repression, sondern genauso „von unten“ in Gestalt von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Was sich in Griechenland vollzieht, ist ein Modellprojekt, das in seiner Bedeutung über dieses Land hinausgeht. Löhne werden halbiert, jede dritte Firma in Griechenland bezahlt ihren Beschäftigten gar keinen Lohn mehr, im Bildungsbereich fehlt es am Nötigsten wie Geld für Bücher, Obdachlosigkeit und Armut haben massiv zugenommen. Der Angriff der Politik und des Marktes bedroht die Lebensgrundlagen der Menschen. Gleichzeitig nehmen Proteste und Streiks zu. Griechenland in der Krise ist auch ein Ort des Aufbruchs, in dem sich Menschen neu organisieren, die Frage nach Gesellschaft neu stellen und an der Möglichkeit einer anderen, besseren Welt arbeiten.

Wir können von unseren Kämpfen gegenseitig lernen: Wenn sich Kämpfe in Griechenland gegen die Zwänge des Kapitalismus, die zum Naturgesetz erklärt werden, richten oder auch eine Politik angegriffen wird, die die Krise verwaltet und dafür sorgt, dass diejenigen, die reich sind, reicher werden und diejenigen, die ärmer sind, arm bleiben. Wir können uns in Beziehung dazu setzen, wenn wir ihren Kampf zu unserem machen und einen Zusammenhang mit der kapitalistischen Krisenhaftigkeit und den Verhältnissen hier vor Ort herstellen. Dies bedeutet für uns kein unkritisches Abfeiern griechischer Bewegung, sondern immer auch den Blick auf Brüche und Widersprüche.

Aus der Praxis von über zwanzig Jahren Stadtteilarbeit wissen wir, dass Herrschaftsverhältnisse nicht nur von oben nach unten verlaufen, sondern auch kreuz und quer und durch uns hindurch. Umso wichtiger ist es, sich angriffslustig zu positionieren und gleichzeitig die Verhältnisse, sich selbst und die eigene Rolle darin zu hinterfragen. Wir werden niemals 99% sein. In besseren Tagen sind wir aber 1% Widerstand, der sich verbreitert, sperrig bleibt und jene Lebendigkeit entwickelt, die schon immer in eruptiver Weise aus dem Unrealistischen und Nichtdenkbaren neue Realitäten hervorgebracht hat und den Blick auf ein ganz anderes Ganzes eröffnet.

Dies wird und kann nur gelingen, wenn wir immer wieder bereit sind, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, um kritische und solidarische Blickwinkel einzunehmen. Im Stadtteil, in unserem Widerstand gegen Gentrifizierung, in den Protesten gegen die Krisen der Welt oder beim Feiern auf jenen Straßen und Plätzen, deren Namen immer öfter zu Orten und Synonymen des Aufbegehrens gegen die kalte Sachlichkeit der kapitalistischen Normalität werden. Mit einer beeindruckenden Spendensammlung, Kultur und Info zum Thema Griechenland kann dies auch die Normalität des immer größer und kommerzieller gewordenen Schanzenfests durchbrechen und unsere Kämpfe mit denen in Griechenland und anderen weltweit verbinden.

Von der Krise zum globalen Widerstand!
Gegen die Zwänge und Diktate der Ökonomie!
Kapitalismus abschaffen!"

quelle http://de.indymedia.org/2012/05/329972.shtml
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