Sir Hannes Smith - Über Uriah Heep in den Punk-Adel

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Knox
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Sir Hannes Smith - Über Uriah Heep in den Punk-Adel

#1 Beitragvon Knox » 27. Oktober 2009, 20:25

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Dortmund. Trallala war nie sein Ding. Mit neun Jahren stiefelt Hannes in den Plattenladen „Life”. Unter U wird er fündig: Uriah Heep, Look At Yourself, das dritte Album der britischen Hardrocker – die erste Scheibe von Sir Hannes Smith, Dortmunds ranghöchstem, weil einzig geadeltem Punk.

Ein Frühreifer. Einer, der sich an Älteren orientiert und Jüngeren hilft. Im Kindergarten hinter der Dorstfelder Brücke ziehen die Betreuerinnen dem Buben Boxhandschuhe an – so vehement verteidigt er schwächere und gehänselte Kinder. Hart, aber herzlich, der Hannes.

Als die Eltern von der Rheinischen Straße ins Defdahl ziehen, hat er fast Anpassungsschwierigkeiten – so soft ist das neue Umfeld. „Nur brav erzogene Kinder, ein Zuckerschlecken”, erinnert er sich an die Elsa-Brandström-Schule. In Klasse zwei kommt Musik ins Spiel. „Viele Mitschüler hatten ältere Brüder. Die hörten Mothers Of Invention, Chick Corea, so gedopte Sachen halt. Das war spannend. Das hat mich geprägt."

Söhnlein findet Slade brillant

Zumal daheim alles anders klingt. Die Mutter singt im Kirchenchor, „Vater konnte gut pfeifen” – mäßig erfrischend für einen Lebensdurstigen. Apropos Durst: Der Vater ist auch Generalvertreter einer Sektfirma und bringt dem Söhnlein Singles mit, die in den Musikboxen der Kneipen ausgedient haben. So gerät Hannes an die Beatles und die Stones. Beide findet er gut, aber nicht so gut wie Slade. „Coz I Luv You” – keine Schreibblockade, sondern ein lokalpatriotisches britisches Bekenntnis zum Akzent – hat Hannes als erste eigene Single noch im Kopf, „aber leider nicht mehr im Regal”.

Look At Yourself: Honigdieb Sir Hannes Smith. Foto: Knut Vahlensieck (Knut Vahlensieck)
Look At Yourself: Honigdieb Sir Hannes Smith. Foto: Knut Vahlensieck

Dort steht, ganz vorne, „Look At Yourself”. Das Titelstück: fünf Minuten Hochgeschwindigkeits-Rock, nach vorne gepeitscht von Orgel, Gitarre, Schlagzeug. Wer sich das mit neun Jahren richtig gibt, voll aufgedreht, 20 Mal am Tag, sieben Tage die Woche – der kann in einen Rausch geraten.

Flaschendrehen bei "Bombe"

Hannes passiert das. Und er ist nicht allein auf diesem Trip. Bei Kumpel „Bombe” im Partykeller läuft Pink Floyd. Flaschendrehen bei „Ummagumma” und „Atom Heart Mother”. Headbanging und Luftgitarren-Riffs zu T-Rex und Uriah Heep. Bierchen trinken, was rauchen. „Wir haben die Luft verzaubert”, sagt Hannes.

Mit zwölf kommen ihm die Stooges ans Ohr. „No Fun” – der Junge ist fasziniert, infiziert. Der aggressive Beat, die exzessive Show von Frontmann Iggy Pop – Impulse, die sein Leben neu justieren. Hannes schminkt sich, zieht den rosaroten Hosenanzug der Mutter an, sticht sich Sicherheitsnadeln durch Wange und Ohr, malt die Schuhe mit silberner Ofenfarbe an und spürt. „Das bin ich. Das ist meine Identität. Der Punk.” Zunächst zum Entsetzen der Eltern. „Look At Yourself” jammern die, schlagen die Hände überm Kopf zusammen und schicken ihn zum Psychiater.

Für immer Punk

Der ändert den Jungen auch nicht. Gut so. Hannes macht selbst Musik, gründet die Band „The Idiots”, dann die „Phantoms Of Future”, später die „Honigdiebe” und wird von der Plattenfirma geadelt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Look At Yourself: Honigdieb Sir Hannes Smith.

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