Rechtsextremer Versandhändler und Mitarbeiter kommen mit Zah

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Loreleypunx
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Rechtsextremer Versandhändler und Mitarbeiter kommen mit Zah

#1 Beitragvon Loreleypunx » 4. März 2007, 07:36

Wurzen, den 28. Februar 2007: Große Wellen schlägt derzeit am Landgericht
Dresden ein Prozess gegen den Geschäftsführer des Deutsche-Stimme-Verlags
der NPD, das Bundesvorstandsmitglied der Partei Jens Pühse. Ein eher sang-
und klangloses Ende fand dagegen am heutigen Mittwoch das Verfahren gegen
einen anderen rechtsextremistischen Versandhandel, das in Wurzen ansässige
Unternehmen "Front Records". Dessen Inhaber Thomas Persdorf sowie ein
Mitarbeiter mussten sich seit dem 28. November 2006 vor dem Amtsgericht
Grimma wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger
Organisationen,
Volksverhetzung, Gewaltverherrlichung und der Verbreitung jugendgefährdender
Medien verantworten. Nach insgesamt acht Verhandlungstagen wird das
Verfahren
gegen Persdorf und seinen langjährigen Mitarbeiter Thorsten K. nun gegen
eine Zahlung von 5.000 bzw. 2.000 Euro eingestellt. Darauf einigten sich
Staatsanwalt und Verteidigung. Der Beschuldigte K. war bereits im Jahr 2000
vom Amtsgericht Rosenheim wegen der Verwendung von Kennzeichen
verfassungswidriger
Organisationen zu einer Geldstrafe in Höhe von damals 11.200 DM verurteilt
worden.
"Das Ende dieses Prozesses zeigt, dass dem Problem Rechtsextremismus mit
rechtlichen Mitteln nicht beizukommen ist", sagte Stephan Meister vom
Netzwerk
für Demokratische Kultur e.V. (NDK) aus Wurzen. "Jemand wie Thomas Persdorf
weiß genau, wie er sich zu verhalten hat, damit er haarscharf im Bereich des
gesetzlich Erlaubten bleibt." Während der Verhandlung war bekannt geworden,
dass sich "Front Records" bei eigenen Produktionen ähnlich wie der
Deutsche-Stimme-
Verlag Rechtsgutachten von einschlägigen Rechtsanwälten anfertigen
lässt. Dazu
gehört neben Gisela Pahls vom "Deutschen Rechtsbüro" unter anderem Klaus
Kunze
aus Uslar, der den Angeklagten in diesem Verfahren neben dem prominenten
Leipziger
Strafverteidiger Stephan Bonell zur Seite stand. Und wie
DS-Geschäftsführer Pühse
sendet Persdorf mittlerweile regelmäßig CDs zur Begutachtung ans LKA.
Der aus Schildau stammende Thomas Persdorf ist mit seinem Versandhandel,
Textildruckunternehmen und Label "Front Records" seit 2004 in Wurzen
ansässig.
Dort gehört ihm ein Haus in der Walther-Rathenau-Straße 18. Hier wie auch am
vorherigen Standort in Machern kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu
Hausdurchsuchungen. Die Polizei beschlagnahmte dabei eine große Anzahl
mutmaßlich
verfassungsfeindlicher und jugendgefährdender Materialien. Nach
Einschätzung von
Experten gehört "Front Records" mit einem jährlichen Umsatz von weit
mehr als
250.000 Euro (Stand: 2004) mittlerweile zu den fünf größten
rechtsextremistischen
Vertrieben in der Bundesrepublik. Zu seinem Angebot gehören unter
anderem T-Shirts
mit den Motiven "Anti-Zionist", "100 % Rechtsrock", "Nazi-Rock’n’Roll" und
"Schöner leben mit Nazi-Läden".
Trotz des umfangreichen Beweismaterials sah die Staatsanwaltschaft am
Ende wohl keine
Chance auf eine Verurteilung. Auf eine Erläuterung zur Einstellung des
Verfahrens wurde
am letzten Verhandlungstag verzichtet. Zu den in der Anklageschrift
aufgeführten CDs
gehörten unter anderem indizierte Alben der rechtsextremistischen Bands
Landser, Skinheads
Sachsen-Anhalt (SSA), Stahlgewitter, Jew Slaughter, Blue Eyed Devils,
Ethnic Cleansing und
Vaginal Jesus. In den Texten wird teils unverfroren gegen Juden,
Schwarze, Politiker (u.a.
Ex-Bundespräsident Roman Herzog), Christen und Linke gehetzt, der
Holocaust und das
NS-Regime verharmlost und zum Zug "gen Osten" aufgerufen. In den
Booklets sind teilweise
Hakenkreuze und andere Symbole von NS-Organisationen, Bilder von Adolf
Hitler, SA-Soldaten
und Gewaltverbrechen wie die Erschießung eines Afrikaners durch einen
Weißen abgebildet.
Auch T-Shirts, Videos, Druckfolien (u.a. für T-Shirts der Gruppierung
"Sturm 24 Bautzen")
und Flaggen (mit einem Motiv der Terrororgruppe "Combat 18") gehörten
zum Beweismaterial.
Thomas Persdorf beteuerte während der Verhandlung, dass er einen Teil
der inkrimierten
Gegenstände als Geschenk erhalten habe und diese nicht zum Versand
bestimmt gewesen seien.
Indizierte Tonträger würden bis zu einer eventuellen Aufhebung der
Indizierung extra
gelagert und keinesfalls an Kinder und Jugendliche versandt. Unter
anderem auf Grund
der auch von Richter Jürgen Weise als mangelhaft gerügten Arbeit des
LKA, dessen Beamte
als Zeugen teilweise keinen überzeugenden Eindruck machten, ließ sich
das Gegenteil
anscheinend nicht beweisen.
"Die 5.000 Euro tun Persdorf sicher nicht weh, die wird er aus der
Portokasse zahlen",
erklärte Stephan Meister. Neben seinem Versandhandel betreibt Thomas
Persdorf eine gut
laufende Textildruckerei und hat nach eigenen Angaben mittlerweile etwa
10-15 Mitarbeiter.
Zu seinem kleinen Firmenimperium in Wurzen gehören außerdem mutmaßlich
eine Videothek,
ein Sonnen- und ein Tatoo&Piercing-Studio. Das Haus in der
Walther-Rathenau-Straße wurde
kürzlich frisch saniert. Es ist bekannt, dass er gern noch weitere
Gebäude erwerben würde.
Beim "Pressefest" des Deutschen-Stimme-Verlags im August 2006 in
Pappritz bei Dresden war
"Front Records" mit dem größten Verkaufsstand vertreten. Gegen eine
Konzession in Höhe von
30.000 Euro soll sich Persdorf von der NPD auch den Getränke- und
Speisenverkauf gesichert
und nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes "den Umsatz seines
Lebens" gemacht haben.
Zudem veranstaltete Persdorf in seinen Wurzener Räumlichkeiten in den
letzten zwei Jahren
mindestens sieben Rechtsrock- und NS-Black-Metal-Konzerte mit jeweils
80-120 Besuchern.
Unter anderem berichtete das ARD-Magazin "Panorama" am 8. Juni 2006 über
ein solches Konzert
in Wurzen.
"Front Records" gehört überdies zu den Sponsoren der so genannten
Schulhof-CD
"Anpassung ist Feigheit" der Freien Kameradschaften. Von dieser mittlerweile
verbotenen CD mit Neonazi-Propaganda und Musik einschlägig bekannter
rechtsextremer
Bands und Liedermacher sollten 2004 bundesweit 50.000 Exemplare kostenlos in
der Nähe von Schulhöfen und Jugendeinrichtungen verteilt werden. Ein
ehemaliger
Geschäftspartner von "Front Records", das US-Label "Panzerfaust Records",
adaptierte das Konzept als "Project Schoolyard" für die USA. Die Schulhof-CD
war jedoch nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens.
Persdorf war bereits in den neunziger Jahren im Umfeld des so genannten
"Blood & Honour"-Netzwerks aktiv und verfügt über weitreichende Kontakte
auch
zu internationalen Nazibands, Labels und Organisationen. Vor Gericht gab
Persdorf
freimütig zu, zum "Dunstkreis" des Skinhead-Netzwerks gehört zu haben. Im
Gegensatz zu seinem Mitarbeiter Thorsten K. sei es ihm jedoch nicht mehr
gelungen, Vollmitglied der Organisation zu werden, da die deutsche
Sektion von
"Blood & Honour" zuvor verboten wurde (im September 2000).
"Durch den für ihn positiven Ausgang des Verfahrens kann sich Thomas
Persdorf
bestätigt fühlen. Er wird weiter rechtsextreme Musik und Bekleidung
vertreiben,
Konzerte veranstalten und am Ausbau seines Firmennetzwerks arbeiten",
befürchtet Stephan Meister. Die Hoffnung, dass der rechtextreme Unternehmer
durch den Prozess einen Dämpfer erhalten könnte, sei jedoch von Anfang an
gering gewesen. "Umso wichtiger wäre es, wenn sich jetzt die Bürger von
Wurzen
stärker gegen Front Records engagieren würden. Leider schweigen bisher viele
lieber dazu." An der Protestaktion "NazisAusLaden" des NDK hatten sich im
Jahr 2005 zwar unter anderem mehrere Bundespolitiker beteiligt, Vertreter
der Stadtverwaltung jedoch nicht.

Quelle: http://www.ndk-wurzen.de
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