Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

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Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#1 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 03:48

Schritt 1, Vorbereitung

Wenn man mit der Durchbohrtechnik ein Didge bauen möchte, braucht man einige Spezialwerkzeuge, die sich allerdings recht einfach herstellen lassen. Das wichtigste sind die Bohrer. Ich habe zwei Forstner Bohrer, 35 mm und 45 mm, an die jeweils eine Stahlstange (St. 37) von 120 cm Länge und 12 mm Dicke angeschweißt ist. Je nach Ausstattung der heimischen Werkstatt macht man das selbst oder besser bei einer Schlosserei.

BildBildBild

Bei den anderen Werkzeugen sind der Phantasie keine Granzen gesetzt, alles, was lang ist, und sich scharf anschleifen läßt. Die Bilder zeigen was ich habe, allerdings könnte man sich schönere machen. Ich verwende hauptsächlich die angeschliffenen Rohre um das Loch zu erweitern.
An Stellen, wo man anders nicht hin kommt, ist der Fräser rechts hilfreich. Mit dem diagonal spitz geschliffenen Vierkant kann man schöne "Fraßspuren" herstellen.

Weiterhin braucht man einen Flaschenzug, ich hab einen für 300kg, je größer die Untersetzung, desto besser.

Alles kann man im Baumarkt kaufen, bis auf den 45 mm Forstnerbohrer, den müssen sie eventuell bestellen. Aber 40mm wären auch ok.

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Dann brauchen wir einen schönen graden Rohling. Ein Knick geht grade noch, bei zwei Knicken kann man fast nicht mehr durchkommen.
Ich habe mir jetzt den zweiten von rechts vorgenommen, Eiche, mondphasenrichtig geschnitten. Am Mundstück hat sie 7.5cm und unten 13.5cm Durchmesser und einen leichten Knick im oberen Drittel.

Guest

Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#2 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 03:59

Schritt 2, Einrichten der Bohrmaschine

Erstmal wird Platz auf der Werkbank geschaffen, (zumindest bei mir nötig). Links ist ein Anschlag auf die Werkbank geschraubt.

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Mit einem Band o.Ä. macht man sich eine Mittelmarkierung als Orientierungshilfe, ca. auf die Länge, die man von der einen Seite aus bohren will. Wenn man dann soweit gebohrt hat, natürlich auch von der anderen Seite.

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Dann wird der Rohling auf dem Tisch befestigt.
Für die Bohrmaschine wird eine Ablage gebaut, wo man sie während des Bohrens drauf ablegen kann, um die Höhe beizubehalten.

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Ich hoffe, man erkennt, das der Bohrer mit der Mitte des Rohlings fluchtet.

Die eine Seite des Flaschenzuges wird an der Werkbank befestigt, in die andere Seite wird eine Seilschlaufe drangemacht, und die Bohrmaschine darin eingehängt.
Der Bohrmaschine wird mit den Flaschenzug der Vorschub gegeben. Man muß trotzdem noch ganz schön ziehen. Besonders die Eiche hier ist ordentlich hart. Man kann ca. 3-4 cm bohren, danach zieht man den Bohrer aus dem Loch, um die Späne herauszubefördern.

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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#3 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:02

Schritt 3, Bohren
So, jetzt habe ich kräftig die Bohrmaschine malträtiert und das Loch mit dem 45mm Borher 83 cm tief gebohrt.
Die Tiefe ist abhängig davon, wo der Knick im Rohling ist. Am Zollstock sieht man, wie weit ich drin bin.

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Das ganze nochmal von der anderen Perspektive.

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Dann wird der Rohling umgedreht und befestigt.
Einrichten der Bohrmaschine wieder wie ins Schritt 2. Mit dem 35 mm Bohrer wird von der Mundstückseite aus gebohrt, bis man durch ist.

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Während des Bohrens kontrolliert man zwischendurch mit einer Lampe, ob man noch in der Mitte ist. Bei den meisten Hölzern kann man die Jahresringe erkennen und sich daran orientieren.
Das Bild ist leider etwas unscharf, aber ich denke, man kann erkennen, was ich meine.

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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#4 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:04

Schritt 4, Herstellen des Bell-end

Nachdem wir glücklich durchgebohrt haben, beginnen wir das Bell-End, den Trichter auszuarbeiten.
Hier gehts mit dem normalen Hohlbeitel noch recht gut.

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Einige Zeit später...
28 cm weit geht der Trichter nun rein.

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Wie man links unten im Bild sieht, habe ich an die eine Seite eine Lampe gelegt, um wenigstens ansatzweise kontrollieren zu können, was im Inneren vor sich geht.

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Ein Versuch, durch das Loch durch zu schauen. Der Trichter bleibt wie er jetzt ist.

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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#5 Beitragvon Knox » 6. Juni 2004, 04:04

was ein glück das ich in meiner 4 zimmerwohnug so eine werkstatt habe [img]http://www.ndh.net/home/welling/smiley-048.gif
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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#6 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:05

@ knox > darum geht es nicht!!!!

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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#7 Beitragvon Knox » 6. Juni 2004, 04:11

och ich darf das jetzt nicht in meinem wohnzimmer nachbauen ?

gemein [img]http://www.ndh.net/home/welling/smiley-005.gif
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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#8 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:12

Schritt 5, äußere Bearbeitung

Ich mache hier mit einem anderen Rohling weiter, dem Feldahorn, weil der Eichenrohling eine Holzstörung hat, und ich ihn erstmal an die Seite gestellt habe.
Da der Feldahorn eine S-Krümmung hat, konnte ich nur mit Hilfe eines weiteren Loches im unteren Drittel durchkommen. Ich habe das auch zum erstenmal gemacht, aber es ging einigermaßen.

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Der Trichter ist weitgehend gemacht, und hat auch ein Astloch, wenns vom Klang nicht viel ausmacht, lasse ich es offen.

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Blick in den Trichter, das Licht leuchtet in das Hilfsloch.
Der Trichterbereich wird noch geschliffen.

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Die Rinde wird entfernt...

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Mit einer Stanley-Raspel wird dann die Wandstärke reduziert. Das geht zwar nicht so schnell wie mit Maschinen, ich habe aber ein besseres Gefühl in den Händen. Die Gefahr, das man nach innen durchkommt ist recht groß.

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Nach und nach, (mühsam ernährt sich das Eichhörnchen) mit ständiger Kontrolle, reduziert man die Wandstärke auf ca. 1.5 cm Das kann man natürlich nicht messen, nur schätzen, und mit leichtem Klopfen hört man, wo es noch relativ dicke oder dünne Wandstärke hat.

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In das Munstück hineingeschaut, man sieht die unregelmäßige Oberfläche. Nur die dünnen Späne, die so abstehen, werden noch mit einem Zylinderschleifkopf und einem Fächerschleifer weggeschliffen.

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Guest

Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#9 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:17

Schritt 6, Restarbeiten

Mit dem Fächerschleifer an der Verlängerung wird die Oberfläche des Loches geglättet. Unregelmäßige Strukturen bleiben erhalten, Späne werden weggeschliffen.

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Das sieht man am Munstück und am Bell-End sehr schön, die Struktur ist noch da, die Späne sind weg.Das Loch hat 35 mm Durchmesser, die Wandstärke ist hier ca. 1 cm.

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Außer am Trichter und am Mundstück ist die Wandstärke eher ca. 1,5 cm.

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Wir haben nun die Wandstärke auf die gewünschte Dicke gebracht, hier so 1-1,5 cm.
Die Oberfläche wird nach Geschmack bearbeitet.
Wenn man Lackieren möchte, muß man bedenken, das der Ton danach etwas höher wird (auch bei äußerer Anwendung).

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ste trocknen schneller als das umgebende Holz, deswegen entstehen in den Ästen gern Risse. Die habe ich hier etwas erweitert und mit eingefärbten Epoxy-Kleber abgedichtet.

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Bedingt durch die Wuchsforn mußte ich Löcher erweitern und habe sie mit Edelholzresten geschlossen.Sie sind mit gefärbtem Epoxy-Kleber eingeklebt. Hier sind es Teak und Indischer Palisander,

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hier ist es Robinie.

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Man sollte das Didge von innen mit Lack oder Leinöl behandeln. Am einfachsten nimmt man Aqua Clou oder vergleichbaren wasserverdünnbaren Acryl-Lack. Wenns besonders widerstandsfähig und resonant sein soll, ist 2-Komponenten Polyurethan-Lack die beste Wahl (besser als Epoxyd, ich hab mich schlau gemacht ;-) z.B. Crystallit von Zweihorn. Das Mundstück wird dazu verstopft, der Lack rein gegossen und geschwenkt. Wenn alles schön getränkt ist, läßt man den Rest des Lackes natürlich rauslaufen...

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So, jetzt ist das gute Stück bis auf das Mundstück fertig. Hier soll Wachs verwendet werden.

Guest

Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#10 Beitragvon Guest » 6. Juni 2004, 04:22

Bauanleitung für ein Wachsmundstück

Für das Wachs verwende ich eine Mischung aus Bienenwachs und Canaubawachs 10/1, d.h. 10% - 12% Canaubawachs. Es macht das Mundstück fest und temperaturstabil, selbst im Sommer im Auto behält es seine Form.

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Die Zutaten werden mit Wachsfarbe zusammengeschmolzen (bessere Optik) und erkalten.
Das Ergebnis ist eine sehr spröde Angelegenheit, wie man auf dem Bild sieht.

Mit Hilfe eines Heißluft-Gebläses knetet man die benötigte Menge durch, bis sie eine elastischere Struktur bekommt.

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Daraus wird eine Wurst und aus der Wurst ein Ring geformt, der ein gutes Stück kleiner als benötigt gemacht wird. Beim Kneten muß man immer wieder mit dem Heißluftgebläse erwärmen.

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Hier sieht man, das der Ring ein gutes Stück kleiner ist, als die benötigte Öffnung.

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Dieser Ring wird auf das Mundstück aufgeknetet, solange es noch warm ist. Wenns zu fest wird, (geht ziemlich schnell) muß man wieder mit Warmluft wärmen.

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Nach außen wird es schön der Kontur angepasst und innen ebenfalls.

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Als letztes formt man eine relativ scharfe Kante innen an der Öffnung, die ist wichtig für die sauberen Obertöne. Die Kante soll mindestens 90 Grad sein.

Allerdings scheint das auch Geschmacksache zu sein, ich hab auch schon abgerundete Öffnungen gesehen, auf denen sich das Spiel auch gut angehört hat.

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Die Ausformung des Mundstücks hat jedenfalls einen sehr großen Einfluß auf den Klang und die Spielbarkeit.

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So, jetzt ist es fertig.

pip
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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#11 Beitragvon pip » 6. Juni 2004, 05:39

kann man sich auch aus 'nem pvc-rohr basteln, klingt zwar nicht so dolle aber fürn anfang vielleicht einfacher / nicht so aufwändig...

also ich mach meine mundstücke indem ich den wachs schmelze und in ein marmeladenglas tue (marmelade hab ih vorher schon aufgefressen [img]http://www.ndh.net/home/welling/smiley-012.gif
[/img]
) und dann das mundstück reinhalte und drehe; dann nehm ichs raus und lass antrocknen. und das immer wieder bis das mundstück so is wie mans haben will.

pip

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Re: Didgeridoo Bauanleitung mit Durchbohren

#12 Beitragvon schmirgel » 6. Juni 2004, 05:54

und damit kann man dann ganz tolle hippiemusik machen...
... oder Vögel drin nisten lassen
...oder Weihnachtsgeschenke drin verpacken

...oder ...nee dat sag ich jetzt nicht.
]


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