Sigmar Polkes wilde "Punk"-Jahre

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Knox
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Sigmar Polkes wilde "Punk"-Jahre

#1 Beitragvon Knox » 13. März 2009, 19:04

Ausstellung: Galerie der Gegenwart zeigt "Wir Kleinbürger!"
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Eine Besucherin betrachtet in der Hamburger Kunsthalle das Gemälde "Supermarkets" von Sigmar Polke

Alles "Super!" in den Siebzigern. Superman, Supermarkets, Superkonsum, Superdrogen - und Superspießer. Ihre Freiheitsträume - auch die eigenen - nimmt Sigmar Polke in seinem Werk aus dieser Epoche aufs Korn. "Wir Kleinbürger!" nennt er seinen Zyklus mit zehn großen Tafeln. Auf einer fliegt Superman durch die Regale der "Supermarkets": ein Comic- und Konsum-Held. Andererseits lassen die "Pille" auf der gleichnamigen Tafel offenherzig bereite Frauen den Mann zum glubschenden Zipfelmützenkerl schrumpfen. Artikel, Cartoons aus dem "MAD"-Magazin, Illustrierten-Fotos oder Pornos dienten Polke und seiner Freundes-"Clique" - so lautet auch das Motto des ersten Werkschauteils - als Vorbilder für die farblich explodierenden Collagen. Scheinbar kunterbunt montiert, doch mit Hintersinn präzise kalkuliert, erweisen sich Polkes eulenspiegelhafte Experimente mit Pop-Art und Trash-Ästhetik als ätzende Analysen einer verrückt gewordenen Welt. Ein Bild klebt unter der Decke. Ein anderes über der Tür im Eck. Dorothee Böhm und Dietmar Rübel, die Kuratoren der Ausstellung "Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen", stellen Regeln auf den Kopf. Wie es auch Polke und seine "Clique" praktizierten.

Unkonventionell ist ebenso das installationsartige Arrangement der Räume mit Vitrinen, Dia-Shows, Dokumenten, Fotografien und Musik. Es vergegenwärtigt das damalige Zeitgefühl von Sex, Drugs & Rock 'n' Roll, gibt Einblick in Polkes Leben: Auf dem Gaspelshof in Willich führte er ein offenes und freizügiges Haus. Das passt wenig ins Bild des jetzt öffentlichkeitsscheuen "Staatskünstlers" mit Bildern im Reichstag.

Geradezu revolutionär ist die Idee einer "wachsenden" Ausstellung. Von der Michael&Susanne-Liebelt-Stiftung zur Gänze finanziert, wird sie sich - um den Kern der zehn "Kleinbürger"-Tafeln herum - bis Ende Januar 2010 in die weiteren Räume, wo jetzt Sammlungsexponate von Polke hängen, zu den Themen "Pop" und "Politik" ausdehnen.

Auch den lokalen Bezug des lange Jahre an der HFBK lehrenden ironischen Alchimisten in der deutschen Kunstszene, betonen die Kuratoren.

Sie zeigen erstmals den 37-teiligen Foto-Fries "Hamburg Lerchenfeld" von 1975/76, wie auch die unter Drogeneinfluss vom Meister durch Missbrauch von Belichtung und Entwickler-Chemikalien "deformierten" Fotoserien.

Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! bis 28.6., Hamburg , Galerie der Gegenwart, Di-So, 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr
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