Der italienische Künstler Gianni Motti

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Knox
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Der italienische Künstler Gianni Motti

#1 Beitragvon Knox » 11. Juni 2005, 21:59

Der italienische Künstler Gianni Motti hat aus dem Fett, das Silvio Berlusconi bei einer Schönheitsoperation Anfang 2004 in einer Klinik nahe Lugano abgesaugt worden war, ein Stück Seife geformt. Das berichtet gestern Die Welt. Motti habe dem Kunstwerk den Titel - Achtung Wortspielhölle! - "mani pulite" gegeben, also "saubere Hände". Das Fett sei eine "gallertartige Masse" gewesen, "die schrecklich stank, wie verdorbene Butter oder altes Frittieröl". Berlusconi - ein Mann geht seinen Weg: von der Fritte zur Seife.
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Die Krabben werden direkt vom Kutter nach Marokko zum Pulen geflogen. Aber morgen haben wir sie wieder zurück.Gibt es eigentlich schon Vielflieger-Bonusmeilen für Nordseekrabben?

schmirgel
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Re: Der italienische Künstler Gianni Motti

#2 Beitragvon schmirgel » 11. Juni 2005, 22:44

http://www.welt.de/data/2005/06/10/730057.html http://www.sueddeutsche.de/,panl1/panorama/artikel/705/54651/ http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/456737.html "Die Idee machte mir Spaß, dass man sich mit einem echten Stück Berlusconi den Hintern waschen kann", sagte Motti.
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Jean Puce
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Re: Der italienische Künstler Gianni Motti

#3 Beitragvon Jean Puce » 12. Juni 2005, 06:42

In "Fight Club" haben sie doch auch aus dem Absaug-Fett einer Schönheits-Klinik Seife gemacht.
Super Film übrigens... Bild

schmirgel
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Re: Der italienische Künstler Gianni Motti

#4 Beitragvon schmirgel » 1. Juli 2005, 16:21

http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=2011&key=standard_document_7284964

für die die zu faul sind den link anzuklicken mal den text:

Berlusconi-Seife und Castro-Container
Gianni Motti: Partyschreck oder der letzte Anarchist des Kunstbetriebs?

Kunst als Provokation: Gianni Motti (Bild: hr) Gianni Motti, ein Italiener aus der Schweiz. Als wir in unlängst das erste Mal sahen, auf der Biennale in Venedig, ahnten wir schon, dass er den Schalk im Nacken hat.

Außen am Schweizer Pavillon lässt er eine Uhr laufen, rückwärts bis zur vorhergesagten Sonnenexplosion in rund 5 Milliarden Jahren. Ein Countdown der Menschheit. Will er uns erschrecken?

Klein, blass und unauffällig - Mottis große Provokation

Kaum zu sehen im Kunstbetrieb: Mottis Seife aus Berlusconis Körperfett (Bild: hr) Im Land der Uhren kurze Zeit später: Hier trafen wir ihn wieder. Auf der „Art Basel“, der größten Kunstmesse der Welt. Vor wenigen Tagen ist sie zu Ende gegangen. Auch hier hat Gianni Motti einen echten Coup gelandet. Groß war die „Art“, bunt und bombastisch. Klein, blass und unauffällig hingegen das Kunstwerk von Gianni Motti: Eine Seife, und doch teuer verkauft, für 15 000 Euro an einen Schweizer Privatsammler. Der Galerist freut sich. Aber: was macht die Seife so kostbar?
Sie ist hergestellt - aus dem abgesaugten Köperfett des Ministerpräsidenten Italiens. Sagt Motti, er habe gute Kontakte in die Schönheitsklinik Berlusconis. Ein marktgerechter Gag? Vielleicht - und doch mehr.

„Mani pulite“, „saubere Hände“ heißt das Werk – wie die Kampagne jener mutigen italienischen Richter, die in den 90er Jahren gezielt gegen Korruption und Mafia vorgingen. Noch ein Seitenhieb gegen Berlusconi, denn der versucht, solche Juristen auszuschalten. In dieser Seife verdichtet sich vieles, nicht nur Berlusconis Fett.

Joint venture à la Motti

Seifenspender Berlusconi (Bild: hr) Gianni Motti: „Er betreibt einen Ausverkauf mit Italien und ich verkaufe Berlusconi. Ich habe diesen Ball jetzt gespielt und jetzt bleibt abzuwarten, wer ihn annimmt und was passiert. Ein Kunstwerk muss über den Ort hinaus funktionieren, an dem es ausgestellt ist.“

Die Seife hat funktioniert: denn die renommierte italienische Tageszeitung „Repubblica“ seifte noch mal richtig nach. Und berichtete auf Seite zwei, im Ressort Politik, über die Seife. Keine gute Werbung für Berlusconi. Aber ein Triumph für Motti. Wie er an das Fett gekommen ist, verrät er nicht.

Im richtigen Augenblick am falschen Platz

Prozession zur Kirche: Gianni Motti im Sarg (Bild: hr) Das scheinbar Unerreichbare möglich machen ist sein größter Kick. So wie im spanischen Ribarteme geschehen. Dort gab er seine eigene Todesanzeige auf. Um in einen Sarg zu kommen. Während einer Prozession zu Ehren der heiligen Marta ließ sich Motti zum Friedhof tragen. Wollte er die Kirche verhöhnen? Kurz bevor es ins Grab ging, entkam der Künstler auf jeden Fall. Ein schöner Spaß, damals 1989, sagt Motti. Danach wird er immer politischer.

1997 schleicht er sich bei einer UN-Sitzung auf den Platz des indonesischen Delegierten und ergreift das Wort für ethnische Minderheiten. Im richtigen Augenblick am falschen Platz zu sein. Wie macht man das?

Gianni Motti: „Ein bisschen wie eine Katze vor dem Loch, in dem die Maus ist. Wenn Du zu unruhig bist, wirst Du es leid abzuwarten. Wenn Du zu ruhig bist, schläfst Du ein. Irgendwo dazwischen, heißt es: zuschnappen, den Fang machen und dann wieder loslassen.“

Welcome, Mr. President

Für die Gefangenen von Abu Ghreib: Motti mit gelber Tüte über dem Kopf (Bild: hr) So hat er es auch beim French-Open-Tennisturnier letztes Jahr in Paris gemacht, an dem Tag, als George W. Bush erwartet wurde. Im rechten Moment positionierte er sich gegenüber den Fernsehkameras, die das Spiel übertrugen, und stülpte sich einen Sack über den Kopf, ähnlich dem der Gefangenen von Abu Ghreib.

Gianni Motti: „Das Foto landete dann auch in den Sportzeitungen, also nicht nur in der Kunstszene, auch bei denen, die sich eigentlich nur für Sport interessieren.“

Mit den Medien stellt er sich gut, weil die ja Teil seiner Performances sind. Motti ist immer politisch korrekt, das aber in einer Konsequenz, die Beifall verdient: Wie auch sein Auftritt in Venedig.

Mieter auf Guantanamo

Gianni Motti und sein Galerist: Freude über Seifenverkauf (Bild: hr) Zurück auf die Biennale: In diesem Container präsentiert er die „Guantanamo-Initiative“. An der Wand: Schecks. In der Ecke: eine Installation mit Video. Hintergrund des Werks: Seit zwei Jahren verhandelt Motti mit Fidel Castro. Die illegale Besetzung durch die Amerikaner will Motti beenden, indem er selbst Mieter des Küstenstreifens wird und auf der Militärbasis ein Kulturzentrum einrichtet. Zu sehen sind die Schecks, die die Amerikaner als Miete seit 1903 nach Kuba schicken, die seit Castro aber nie eingelöst wurden. Stattdessen hat der sie Motti geschenkt. Diesem tollkühnen Idealisten, dessen Strategien so wunderbar subversiv sind.

Deshalb ist er für uns der vorläufige Höhepunkt dieses Kunstsommers: Und selbst wenn seine Seife nicht aus echtem Berlusconi sein sollte, dann ist sie auf jeden Fall gut erfunden.

Bericht: Stefanie Appel
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