Skandal im Sperrbezirk – Kunst oder Porno?

Dada und der Rest
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Knox
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Skandal im Sperrbezirk – Kunst oder Porno?

#1 Beitragvon Knox » 2. Januar 2006, 00:31

In Österreich hat eine öffentliche Plakatausstellung in Wien für einen handfesten Skandal gesorgt. Grund des Anstoßes ist unter anderem ein Plakat auf dem nackte Menschen, welche nur mit Masken von Bush, Chirac und Queen Elizabeth bekleidet sind, bei einem “menage a trois” zu sehen sind. Auf einem andern Plakat sieht man den Unterleib einer Frau – nur bekleidet mit einem Slip auf dem das europäische Wappen abgebildet ist. Wien ist in Wallung – auf der einen Seite empört man sich über die Freizügigkeit auf der anderen Seite kochen die Sexismusvorwürfe hoch.
Die Plakate um die sich die Aufregung dreht sind Teil einer Ausstellung unter dem Titel „EUROPART. Aktuelle Kunst in Europa“ die am 27. Dezember startete. Das Projekt ist der jungen europäischen Kunst gewidmet und wird in ganz Wien auf 400 “Rollboards”( beleuchtete und das Motiv wechselnde Werbeflächen wie sie auch in Deutschland stehen) präsentiert. Die größte öfffentliche Kunstausstellung will Künstlern aus allen europäischen Mitgliedstaaten eine Plattform geben.

Der Skandal rund um die Ausstellung entzündete sich anhand der zuvor beschriebenen Plakate – die Wiener waren geschockt. Für die Wiener Kronenzeitung (die österreichische Bildzeitung) handelt es sich bei den Plakaten um “wüste Sexplakate”. Sie hetzte umgehend nach Erscheinen der Plakate gegen das künstlerische Treiben in Wien. Unangenehm für die Regierung ist vor allem, dass das Kunstprojekt mit 500.000 € von der österreichischen Regierung bezuschusst wurde, was die Opposition nun natürlich ausgiebig nutzt um aus dem “Pornoskandal” (O-Ton) parteipolitisches Profil im katholisch-konservativen Österrreich zu schlagen. Kanzler Schüssel hingegen will plötzlich von nichts gewusst haben. FPÖ Chef Strache reihte sich in die Reihe der Kritiker der Ausstellung ein und faselte etwas über “Gruppensex-Phantasien” der Ausstellungsmacher und wie unsittlich das ganze doch sei. Strache fiel mit seiner rechtsextremen Partei auch schon vorher mit extrem diffamierenden Äusserungen auf. Im Wahlkampf setzte er hauptsächlich auf islamophobe und rassistische Parolen. Bettina Stadlbauer, SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin bezeichnete die Ausstellung als "extrem frauenfeindlich”. Doch darüber lässt sich durchaus streiten. Für den größten Unmut sorgte jedoch die Darstellung der kopulierenden Staatsoberhäupter (siehe Bilder). Grinsende Würdenträger aus Politik und Monarchie beim Sex - das ist zuviel für viele Österreicher.

Die Künstler können die Aufregung rund um die Ausstellung nicht nachvollziehen. Das Plakat des Spaniers Carlos Aires und auch die anderen Plakate würden sich “konkret gegen die Globalisierung” wenden. Und das tun auch die anderen Plakate des Projekts – wenn auch weniger freizügig als das Plakat der kopulierenden Politiker und etwa das der serbischen Künstlerin Tanja Ostojic. Sie selbst empfindet die öffentliche Aufregung um ihr Plakat als “öffentliche Zensur”. Aufgrund des öffentlichen Drucks haben die Künstler nun ihre Plakate zurückziehen müssen. Der Kurator der Plakatausstellung Walter Seidl erklärte, dass den Künstlern zwar die Brisanz der Ausstellung bewusst gewesen sei jedoch hätten sie ein derart negatives Echo auf die Ausstellung nicht erwartet. Laut Seidl zeigt die Reaktion der Wiener, dass von der Öffentlichkeit abgeschottete Kunsträume wie Galerien und Museen von den Menschen nur wenig wahrgenommen würden.
"Sobald man mit Kunst auf die Straße geht, zeigt sich, wie sensibel und wenig liberal die Leute noch immer auf körperliche Sujets reagieren." resumierte Seidl. Dies sei ein trauriger Rückschritt für die künstlerische Freiheit in Österreich. "Für uns ist das ein Aufruf an alle Künstler, noch radikaler zu arbeiten", erklärt der Kurator.

Man könnte sich fragen wie die Deutschen auf solche Ausstellungen reagieren würden. Erinnert sei hier nur an den mecklenburgischen Bildhauer Schumann und seine Skulptur “Die Arschficker”, die Polizisten beim Analverkehr zeigt. Auf jeden Fall ist der Wiener Skandal um die “Pornoplakate” eine erheiternde Geschichte zum Neuen Jahr und zum Beginn der EU Präsidentschaft Österreichs.


Quellen:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,392744,00.html
http://www.ch-libre.ch/blog/chlibre/chlibreweblog.html
http://www.krone.at/index.php?http://wcm.krone.at/krone/S32/object_id__40356/hxcms/index.html

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"Skandalplakat 1"
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"Skandalplakat 2"
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weiteres globalisierungskritisches Plakat der Ausstellung
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Provokatives Plakat der Ausstellung
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Naturführer über RWE-Braunkohlegebiet
„Es gibt so viele Baumhäuser wie nie“
RWE hat die Rodungen für den Braunkohleabbau im Hambacher Forst vorläufig gestoppt.

NichtTherapiebar
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Re: Skandal im Sperrbezirk – Kunst oder Porno?

#2 Beitragvon NichtTherapiebar » 2. Januar 2006, 00:38

hmmm....ich finde die Plakate sehr interessant .....
auch künstlerisch klar ich denke das die Künstler schon etwas provozierten wollten aber man muss sich ja nicht provozieren lassen und in gewisser weiße beinhalten sie doch die Wahrheit nur extrem ausgedrückt!!!!

blubb
de Liz
LULULULULULULU oda so! Bild

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fraggle
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Re: Skandal im Sperrbezirk – Kunst oder Porno?

#3 Beitragvon fraggle » 2. Januar 2006, 04:50

tjoa... so falsch liegen die ja nicht mit ihren aussagen, wenn ich die richtig interpretiere, die plakate... die aktion ist echt gut...

regai-scar
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Re: Skandal im Sperrbezirk – Kunst oder Porno?

#4 Beitragvon regai-scar » 1. Oktober 2006, 17:26

besonders das zweite gefällt mir


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