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Dada und der Rest
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Gott
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Kunstfilme

#1 Beitragvon Gott » 22. August 2006, 23:19

Was kennt ihr für sehenswerte Kunstfilme:

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Un Chien Andalou (Ein andalusischer Hund)
F 1928, 20 min
Regie: Luis Buñuel, Salvador Dalí
Drehbuch: Luis Buñuel, Salvador Dalí
Kamera: Albert Duverger
Darsteller: Pierre Batcheff, Simone Mareuil, Luis Buñuel, Salvador Dalí, u.a.
Musik 1: Josef Anton Riedl
Musik 2: Richard Wagner, argentinische Tangos
Ausführung: Jessica Hartlieb, Violine; Hela Risto, Violine; Cornelius Bönsch, Violoncello; Rolf Schamberger, Kontrabaß; Fred Munker, Akkordeon; N.N., Klavier
Leitung: Stefan Hippe
Filmkopie: Die Lupe


"Am Beginn steht eine der berühmtesten Schocksequenzen der Filmgeschichte: Eine Wolke bewegt sich auf den Vollmond zu, ein Rasiermesser schneidet durch das Auge einer jungen Frau. Später sieht man eine von Ameisen wimmelnde Menschenhand, Priesterseminaristen, die an Glockenseilen baumeln, und den Kadaver eines Esels, der aus einem Pianoflügel quillt. Einige Szenen sind bewußt als anarchische Provokation gedacht, andere lassen sich als poetische Metaphern deuten - insgesamt attackieren die vieldeutigen Bilder nachhaltig die herkömmlichen Vorstellungen von Ratio und Normalität. An deren Stelle tritt die Logik des Traums, die auflösende Kraft der Fantasie." (Lexikon des internationalen Films)

Buñuel erkärt diese Struktur aus der Entstehungsgeschichte des Films heraus:
"Der Film ging aus der Begegnung zweier Träume hervor... Das Drehbuch wurde in weniger als einer Woche nach einer sehr einfachen Regel geschrieben: keine Idee, kein Bild zuzulassen, zu dem es eine rationale, psychologische oder kulturelle Erklärung gäbe; die Tore des Irrationalen weit zu öffnen; nur Bilder zuzulassen, die sich aufdrängten, ohne in Erfahrung bringen zu wollen, warum."
Salvador Dalí, sein Koautor, ergänzt:
"Ich hatte einen Film entworfen, von dem ich wollte, daß er die Denk- und Sehgewohnheiten und den Geschmack der Intellektuellen und Snobs der Hauptstadt an spießbürgerlicher Unterhaltung schockierte und erschütterte, einen Film, der jeden Betrachter in die geheime Mitte seiner Kindheit, zu den Quellen des Traums, des Schicksals und des Geheimnisses von Leben und Tod zurückversetzen sollte..."

Un Chien Andalou und der Surrealismus
Un Chien Andalou sollte als explosive Waffe gegen die Bürgerlichkeit verstanden werden, als Speerspitze des Surrealismus. Doch das Unerwartete geschah. Bei aller Provokation ("Und der kleine Bourgeois sitzt da in seinem Sessel, er hat bezahlt, um abwechselnd rechts und links geohrfeigt zu werden: man sollte doch denken, daß er sich bei der Direktion beschweren wird!" (André Breton)) wird der Film zum Erfolg. Es kommt zum Eklat als Buñuel das Drehbuch nicht in La Révolution surréaliste, dem Sprachrohr der Surrealisten, sondern in Revue du cinéma abdrucken läßt.
Buñuel muß Abbitte leisten; am 15. Dezember 1929 erscheint seine Verteidigung in La Révolution surréaliste - zusammen mit einer Kopie des Szenarios: "Die Veröffentlichung dieses Drehbuchs in La Révolution surréaliste ist die einzige, zu der ich meine Zustimmung gebe. Sie bringt ohne jegliche Einschränkung meine bedingungslose Zustimmung zum surrealistischen Denken und Handeln zum Ausdruck. Ein andalusischer Hund gäbe es nicht, wenn es den Surrealismus nicht gäbe. Ein Erfolgsfilm. So urteilen die meisten derer, die ihn gesehen haben.
Was kann ich aber ausrichten gegen die leidenschaftlichen Anhänger alles Neuen, selbst wenn dieses Neue ihre tiefsten Überzeugungen verletzt, gegen eine bestochene oder unehrliche Presse, gegen diese schwachsinnige Masse, die das schön oder poetisch fand, was im Grunde nichts anderes ist als ein verzweifelter, ein leidenschaftlicher Aufruf zum Mord?" (Yasha)

Das zweite surrealistische Manifest (Le surréalisme au service de la revolution, 1930) ist denn auch von Buñuel und Dalí unterschrieben. André Breton lobt Un Chien Andalou (und L`Age D´Or) als die "beiden einzigen vollkommen surrealistischen Filme (gleichermaßen in der Ausführung wie in der Absicht). [...] Ein andalusischer Hund und vor allem Das goldene Zeitalter konfrontieren also das Publikum zum ersten Mal mit einer Folge von Ansprüchen, denen es sich nicht entziehen kann: das ist kein Traum und es gibt keinen symbolischen Schlüssel. In Ein andalusischer Hund ist es wahrhaftig der absolute Irrationalismus, der sich als der Herr der Straße erweist [...].
Buñuel hat dem Surrealismus bewußt gemacht, wie der Übergang sein könnte zur direkten Aktion, die ich (maßvoll) am Ende des ersten Manifests (1924) gefordert hatte. Allein schon durch seine ihm ganz eigenen Methoden hat er uns sehr geholfen das Stadium der theoretischen Spekulation zu überwinden. Er hat in sehr konkreten menschlichen Situationen das realisiert, was wir - zumindest damals - aus unseren Wünschen heraus im Kampf mit dem Leben nur schlecht erkennen konnten. Er hat aus den Wünschen etwas sehr stark Erschütterndes hervortreten lassen, so wie er auch uns selbst mit tatsächlich existierenden Wesen konfrontiert hat, die die Extreme unserer Abgründe verkörperten."

Gott
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Re: Kunstfilme

#2 Beitragvon Gott » 22. August 2006, 23:25

Calder's Zirkus von Carlos Vilardebo (1961 / 18 Min.)

Mit leicht subversivem Humor erobert sich seit einiger Zeit eine ganz besondere Szene englischer Künstler die Herzen einer wachsenden, internationalen Sammler und Fangemeinde. Ihr Material sind Alltagsgegenstände, Verpackungen, Blechdosen, Treibholz und ähnliches. Die Dinge werden hier zum Vermittler einer Botschaft, die mit ihrer Ursprungsfunktion wenig gemein hat, die Produktideen aber oft noch in sich trägt und nutzt um ganz andere Geschichten zu erzählen. Wer den assoziativen Methoden dieser Kunst folgen kann wird verzaubert, in eine Welt absurder Komik entführt und dort neue Freunde finden.

Vater dieser etwas naiv-ironischen Kunstform ist der Künstler Alexander Calder der von 1926 bis 1930 seinen berühmten "Circus" schuf. Aus Draht, Korken, Holz, Stoff und Fundstücken bildete er Artisten, Fahrzeuge, Tiere und alles was zu einem echten Zirkus gehört. Diese erweckte er in Vorführungen vor der Pariser Avantgarde und nach 1930 auch in der Künstler- und Intellektuellenszene New Yorks zum Leben. Heute ist der „Circus“ Teil der Sammlung des Whitney Museums in New York. Carlos Vilardebo dokumentierte 1961 in seinem anrührenden Film das Spiel Calders mit den Zirkusfiguren und verhalf ihm damit zu "ewiger" Lebendigkeit.

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